Philippinen: eine wunderschöne Herausforderung!

Nachdem ich mich schweren Herzens nach 10 Monaten von Neuseeland verabschiedet habe, ging es für 4 Wochen auf die Philippinen. Natürlich längst nicht genügend Zeit, um die 7107 Inseln (860 bewohnt), die den fünftgrößten Inselstaat ausmachen (nach Indonesien, Madagaskar, Papua-Neuguinea und Japan), zu besuchen. Rund 105 Millionen Menschen wohnen in dem demokratischen Land und es werden 171 Sprachen gesprochen, da jede Region ihre eigene Sprache oder ihren eigenen Dialekt hat. Grundlage für das Filipino, die Amtssprache, bildet das Tagalog, welches von den Tagalen, den Tieflandbewohnern der Hauptinsel Luzon gesprochen wird. Obwohl das Land flächenmäßig sogar etwas kleiner ist als Deutschland, erstreckt sich seine Fläche auf eine Länge von 1850km und eine Breite von 1127km (im Vergleich Deutschland L 876km B 640km), wobei sich 90% der Fläche auf elf Inseln verteilt: Hauptinsel Luzon, Mindoro, Palawan, Panay, Negros, Cebu, Bohol, Leyte, Samar und Mindanao. Das Klima ist weitestgehend tropisch und bei durchschnittlich 26,5° schwitzt man sich einen ab, auch wenn man in Regenzeit zwischen Mai und November den Archipel in Südostasien besucht. Diese Fakten sollten erst einmal für eine grobe Orientierung reichen.

Insel Luzon:                 2 Nächte Manila -> ✈

Insel Palawan:             3 Nächte El Nido -> 3 Nächte Puerto Princessa -> ✈

Insel Cebu:                  1 Nacht Cebu City -> 2 Nächte Oslob -> 1 Nacht Moal Boal -> 3                                        Nächte Cebu City (ab hier ging es alleine weiter) -> 2 Nächte                                            Malapascua Island -> 🚢

Insel Bohol:                  4 Nächte Panglao Island -> 1 Nacht Siquijor Island -> 1 Nacht                                           Tagbilaran -> ✈

Insel Luzon:                  1 Nacht im Bus -> 1 Nacht Banaue -> 1 Nacht Batad -> 1 Nacht                                        Banaue -> 1 Nacht im Bus

Am 6. September habe ich mich mit meinem guten Freund Tommy aus der Heimat in Manila getroffen und er hatte 2 Wochen frei, um mich durch die Philippinen zu begleiten. Der erste Tag in der Hauptstadt war ein absoluter Kulturschock. Mit der Kutsche ging es quer durch das Stadtzentrum von Manila, um die kulturellen und architektonischen Überbleibsel von 330 Jahren spanischer Herrschaft zu bewundern.

Doch viel eindrücklicher als die alten Bauten ist die vorherrschende Armut. Ich habe noch nie so viele obdachlose Menschen gesehen. Ganze Familien schlafen in Manila am Straßenrand. Kinder kommen an und betteln. Jede Ecke wird genutzt, um ein Lager für die Nacht aufzuschlagen. Es fiel mir sehr schwer nicht in Tränen auszubrechen, wenn uns Dreck verschmierte Kleinkinder verdutzt, auf einem Stück Pappe sitzend, angesehen haben. Eine kurze Recherche hat ergeben, dass laut Global Homelessness Statistics 3,1 Millionen Menschen in Manila kein Zuhause haben und damit mehr als jede andere Stadt auf der Welt (Insgesamt leben 12,8 Millionen Menschen in der Region Manila). Gerade wenn wir zu Fuß unterwegs waren, habe ich mich nicht getraut die Kamera rauszuholen. Wir haben so schon genug Aufmerksamkeit durch die blonden Haare und die weiße Haut auf uns gezogen, aber dazu später mehr, deswegen hier 3 Bilder, die ich im Internet gefunden habe, die uns aber genauso begegnet sind:

Die philippinische Bevölkerung zählt als eine der am schnellsten wachsenden und jüngsten Asiens. Das Durchschnittsalter liegt bei gerade mal 24,3 Jahren, was vor allem daran liegt, dass sich die katholische Kirche, die einen großen Einfluss auf Politik und die philippinische Gesellschaft hat, gegen Bevölkerungskontrolle ausspricht. Außerdem ist der Schutz des Lebens Ungeborener in der Verfassung verankert und demnach erhalten die Menschen kaum Bildung hinsichtlich Schwangerschaftsverhütung. (Neben dem Vatikan sind die Philippinen auch das einzige Land, das kein Scheidungsrecht hat). Zum anderen liegt es an der vorherrschenden Armut. Fast ein Viertel der Population lebt unterhalb der Armutsgrenze und verdient im Schnitt weniger als 300€ im Jahr. Viele Familien hoffen, dass einer ihrer vielen Kinder erfolgreich wird und es schafft der Familie aus der Armut zu helfen. 2015 lag die Fertilitätsrate noch bei 3 Kindern pro Frau. Einige Inseln der Philippinen zählen somit zu den am dichtesten besiedelten Gebieten der Welt und die Bevölkerung wächst weiter um rund 2 Millionen Einwohner pro Jahr.

Und hier noch einige Impressionen, die ich während der Kutschfahrt aufgenommen habe (zum Vergrößern wie immer auf das Bild klicken):

Ein Tag Manila ist mit Sicherheit mehr als genug, denn viel zu sehen gibt es hier nicht. Für uns sollte es also am nächsten Tag mit dem Flugzeug zur Creme de la Creme der Philippinen gehen: El Nido!

Von Puerto Princessa sollte es mit dem Flugzeug 600 km weiter östlich nach Cebu City gehen. Hier haben wir einen Tag zum „Sightseeing“ in der Stadt verbracht. Im Nachhinein ärgere ich mich wirklich, dass ich mich nicht getraut habe, die Kamera öfter rauszuholen, um die vielen verrückten Dinge festzuhalten, die wir dort gesehen haben. Gerade wenn die Sonne hinterm Horizont verschwindet, verwandelt sich jede noch so kleine Lücke auf dem Bordstein zu einem Geschäft. Es werden verpackungslose Handys verkauft (woher die wohl kommen?), Raubkopien eines jeden Films und sämtlichen Schnickschnack, den man nicht gebrauchen könnte. An kleinen Tischen mit Schreibtischlampen werden Laptops repariert oder Schuhe genäht. Wir werden mit großen Augen angesehen, begrüßt, von Taxis angehupt, zu Ständen eingeladen oder um Geld angebettelt. Eine Geruchsmischung aus altem Frittieröl, vergammelten Müll, Autoabgasen und Urin machen die Reizüberflutung vollkommen und man ist froh, wenn man von diesem Trubel nur noch gedämpft etwas durch die Scheiben des klimatisierten Zimmers mitbekommt. Mit dem Bus, den auch die Einheimischen aus Kostengründen bevorzugen, sollte es zum 4 Stunden entfernten Oslob gehen. Großartig, wenn es einen klimatisierten Bus gibt mit viel Beinfreiheit und einen in dem man wie die Sardinen in der Büchse sitzt, ohne Aircondition und mit teilweise fehlenden Fenstern. Selbstverständlich hatten wir das Glück mit letzterem zu fahren.

An der Stelle sollte ich vielleicht erwähnen, dass Tauchen bis zu diesem Augenblick nicht möglich war. Schon vor meiner letzten Woche in Neuseeland hatte ich mich bei meinen Mitbewohnern mit einer Erkältung angesteckt, über die Fashionweek keine Möglichkeit gehabt mich auszukurieren und danach keine Lust gehabt auf Ausruhen. Dumm! 4 Wochen hab ich die Erkältung mit mir rumgeschleppt, Tommy angesteckt und wir beide hatten zwischendurch Fieber. Dabei wollten wir doch unbedingt auf den Philippinen Tauchen gehen! Eigentor. Aber gut, ich habe meine Lektion gelernt. Nachdem Tommy wieder Richtung Heimat geflogen ist, habe ich mir zwei Tage Ruhe aufgezwängt (das mit dem Ausruhen ist irgendwie nicht so mein Ding) und mir Zeit für die weitere Reiseplanung genommen.

Am nächsten Tag sollte es mit dem Bus in den nördlichsten Zipfel von Cebu gehen, um mit dem Boot auf die Insel Malapascua überzusetzen. Und dort sollte ich nun endlich Tauchen gehen können.

Malapascua Island und der unter Tauchern berühmte Tauchspot Monad Shoal ist einer der einzigen Plätze auf der Welt, an dem man so gut wie täglich Fuchshaie aka Drescherhaie beobachten kann. Die 5-6m großen Tiere (wovon ca. die Hälfte die Schwanzflosse ist) sind für den Menschen ungefährlich und ernähren sich von kleinen Fischen, welche sie einkreisen und durch einen Schlag mit der Schwanzflosse betäuben (daher auch der Name), um sie anschließend zu verzehren. Normalerweise sind diese majestätischen Tiere in Tiefen bis zu 500m zu finden und kommen nur zum Sonnenaufgang in 20-30m tiefes Gewässer, um sich von kleinen Fischen putzen zu lassen.

Screenshots aus dem Video vom Tauchgang: http://www.pictame.com/media/1611590936897707428_2532784836

Leider kann man mit einem Open Water Diver Certificate nur bis 18m Tiefe tauchen und somit habe ich mich spontan dazu entschieden meinen Advanced Diver hier in den Philippinen zu machen (mit welchem man bis auf 30m tief tauchen darf). Die Tauchbasis Sea-Explorers Philippines hat ein unschlagbares Angebot für umgerechnet 214€. 5 Tauchgänge muss man absolvieren, um zum fortgeschrittenen Taucher zu werden. Ein Tieftauchgang auf 30m und ein Tauchgang mit Kompass sind Pflicht. Außerdem habe ich mich für Buoyancy (Austarieren – hier lernt man, wie man sich perfekt im Wasser hält, wie man rückwärts taucht, etc.), Fischidentifikation (man ordnet Fische bestimmten Gruppen zu, um sie später einfacher zu identifizieren) und einen Nachttauchgang entschieden. Gerade Letzteres hat mich total begeistert. Tauchen ist oft so eine Reizüberflutung und man weiß garnicht, wo man zuerst hinschauen soll. Beim Nachttauchgang sieht man nur, was sich im Strahl der Taschenlampe befindet, achtet somit viel mehr auf Details und sieht Kreaturen, die tagsüber schlafen.

Weiter ging es zur benachbarten Insel Bohol. 1 Stunde Warten auf das Boot, welches einen zur Fähre bringt, 45 Minuten Fährfahrt, 4 Stunden Bus, 1,5 Stunden Fähre, 2 Stunden Shuttle, 30 Minuten mit dem Tricycle (zwischendurch nochmal kurz ins Krankenhaus) und endlich kam ich auf der Halbinsel Panglao an.

An diesem Abend saß ich noch etliche Stunden mit den Filipinos zusammen und wurde über so ziemlich alles augequetscht, denn keiner der 13 hatte jemals die Möglichkeit die Philippinien zu verlassen, geschweige denn, dass sie sich ein Leben wie meines vorstellen könnten. Auch ich konnte einige meiner vielen Fragen endlich loswerden. Es stellte sich heraus, dass obwohl die Truppe im Callcenter, mit einem Abschluss und guten Englischkenntnissen schon deutlich mehr als die meisten Filipinos verdienen, trotzdem umgerechnet nur 1,75€/h Brutto verdienen. Kein Wunder, dass die wenigsten von ihnen eine eigene Wohnung haben und bei ihren Eltern wohnen, wie es auf den Philippinen nicht nur aus finanziellen Gründen üblich ist, sondern auch weil die Kinder hier ihre Eltern pflegen im höheren Alter. Geld für Altenpflege oder medizinische Versorgung gibt es nicht. Trotz all dieser, für uns unvorstellbarer Umstände, war die Truppe super gut drauf und hat alles mit mir geteilt.

 

Am selben Abend sollte es mit der Fähre schon wieder zurück nach Tagbilaran gehen, da ich am nächsten Tag nach Manila flog, um im Anschluss in den Norden der Hauptinsel Luzon zu fahren. In Manila hatte ich vier Stunden, um vom Flughafen zum Nachtbus zu kommen und diese 4 Stunden sollten eine ganz schöne Herausforderung werden. Ich stieg in das Taxi, um mich zu dem Hotel bringen zu lassen, in dem Tommy und ich die erste Nacht geschlafen hatten, da ich dort einige meiner Sachen zwischengelagert hatte. Der Verkehr war eine absolute Katastrophe, das Taximeter stieg und stieg und ich bekam Panik, dass ich meinen Bus nicht mehr kriege und mein ganzes Geld für das Taxi ausgeben müssen würde. Ich hatte dem Fahrer von meinem Low-Budget-Reisestil erzählt….ein Fehler. Er bot mir mehrfach an, dass ich ihn auch auf andere Art und Weise bezahlen kann, eine Situation, in die ich gehofft hatte, niemals zu kommen. Aber es ist zum Glück nichts passiert und nach sehr unangenehmen 45 Minuten kam ich ziemlich fertig mit den Nerven am Hotel an. Dort hat man Gott sei Dank nicht auf die weitere (teure) Übernachtung gepocht, die ich versprochen hatte, um mein Gepäck zwischenzulagern und weiter ging es mit 35 Kilo Gepäck bepackt, um ein Motorrad-Taxi zu finden. Doch solche gibt es in der Gegend nicht und ein normales Taxi hätte es nicht mehr pünktlich zum (bereits bezahlten) Bus geschafft. Ein junges Pärchen hielt mit dem Tricycle und bot mir sofort Hilfe an. Die junge Frau hat gefragt, was ich denn alleine in so einer Gegend an einem Freitagabend mit meinem ganzen Gepäck mache. Sie hat gesagt, dass ich es niemals bei dem Verkehr zum Bus schaffe, doch es gäbe einen Zug. Das Pärchen hat mich also zu der nächsten Haltestelle gebracht und dafür gesorgt, dass ich sicher in den richtigen Zug komme. Als ich aus dem völlig überfüllten Zug (in den die Leute rein gedrückt wurden) ausstieg, stellte ich fest, dass es noch 2,5 km bis zum Bus sind, welcher in 35 Minuten abfahren sollte. Ich entschied mich zu laufen, da ich noch Geld abheben musste, essen und trinken brauchte und ansonsten nicht pünktlich angekommen wäre. Beladen wie ein Esel bin ich also bei 30° durch die Stadt gelaufen, hatte mehrfach das Gefühl gleich zusammen zu brechen und war komplett dehydriert. Doch Aufgeben war keine Option, erst recht nicht, wenn man alleine ist. Sich selbst gut zureden und seinen inneren Coach aktivieren hat geholfen und ich hab es gerade so noch pünktlich zum Bus geschafft. Reisen kann manchmal echt tricky sein, vor allem, wenn man in solchen Situationen alleine klarkommen muss.

12 Stunden fuhren wir durch die Nacht und als ich zum Sonnenaufgang in den Bergen von Banaue aufgewacht bin, war der ganze Stress vom Vortag wie weggeblasen. Die Ifugao Gegend ist so ganz anders, als alles, was ich bisher gesehen habe und wunder wunderschön.

4 Wochen Philippinen sind rum und ich muss sagen, es war eine sehr intensive Zeit im Positiven, wie auch im Negativen. Ich habe mich sehr schwer getan diesen Eintrag zu schreiben, weil mit dem Land so viele Emotionen verbunden sind. Ich habe so viel Armut, wie noch nie zuvor gesehen und mir schnürt es nach wie vor die Kehle zu, wenn ich daran denke. Es wurde mir wieder einmal vor Augen geführt, wie unendlich gut es uns geht und wie privilegiert wir sind, aus einem Land wie Deutschland zu kommen.  Außerdem war es das erste mal für mich ganz alleine zu reisen. Eine Erfahrung, an der ich definitiv wachsen konnte und froh bin gemacht zu haben. Aber ich habe auch festgestellt, dass es nicht wirklich mein Ding ist. Ein Ort kann noch so schön sein, aber wenn du es mit Niemandem teilen kannst ist es einfach nicht das Selbe. Die Filipinos sind sehr nett, hilfsbereit und ich habe viele neue Freunde gefunden, denn wenn man alleine ist, sucht man viel mehr den Kontakt zu anderen Menschen, als in Begleitschaft. Doch leider ist man mit heller Haut und blonden Haaren absoluter Exot auf den Philippinen. Gerade wenn man in Gegenden kommt, wo nicht so viele Touristen sind (& das sind die Orte wo ich mich am liebsten herum treibe) wird man von jedem angeschaut und die Leute wollen Fotos von/mit dir aufnehmen. Es gab Situationen in denen ich mich nicht mal getraut habe baden zu gehen, weil alles geschaut hat und über mich gesprochen wurde. Das Gefühl wenn du in ein Restaurant kommst, die Aufmerksamkeit von jedem bekommst und angefangen wird zu tuscheln, ist wirklich bedrückend. Dahinter steckt natürlich keine böse Absicht. Aber in solchen Momenten wäre es gut gewesen jemanden zu haben, mit dem man darüber lachen kann. Auch wenn ich es irgendwie gemeistert habe, freut mich wirklich, dass diese Zeiten wieder vorbei sind.

Die Philippinen sind so schön und vielseitig, was hoffentlich mit diesem Eintrag deutlich wurde. Mein Kopf war kurz vorm Platzen vor lauter Eindrücken und Bildern von wunder schönsten Orten, seltenen Tieren und kulturellen Erlebnissen. Zeit um sich ein bisschen Erholung vom Reise-„Stress“ zu gönnen, werde ich auf Bali wohl hoffentlich finden. Dazu aber im nächsten Eintrag mehr. Bis dahin, haltet die Ohren steif.

Liebste Grüße,

Eure Gina

Work. Save. Travel. Repeat.

Hallo meine Lieben,

ich sitze hier im Wohnzimmer über meinem Laptop, draußen regnet es mal wieder und trotzdem freue ich mich über den alltäglichen Ausblick auf den Skytower. Seit fast 3 Monaten lebe ich nun in Auckland, um Geld für weitere Reisen zu erwirtschaften.  Aber lasst mich erstmal berichten, wie es nach Fidschi weiterging. Nachdem Linda und ich wiedergekehrt sind, hat uns Bryce, den wir auf einer Wanderung kennengelernt hatten, für einige Wochen bei sich und seinen Eltern in Remuera (Auckland) aufgenommen.

In dieser Zeit haben Linda und ich eine schwere Entscheidung getroffen und mussten uns trennen. Linda wollte gerne auf die Südinsel zum Arbeiten und ich hatte die verlockende Chance Vollzeit als Model in Auckland zu arbeiten. Trotzdem wir uns beide sehr vermissen lief es arbeitstechnisch doch sehr gut. Linda hatte nach kurzer Zeit einen Job in einem Skiressort in Methven, neben dem Skigebiet Mt Hutt bekommen und arbeitet mittlerweile sogar oben auf dem Berg in einer Skihütte als Barista, wie auch schon damals in Thames. Mal davon abgesehen, dass die Gute für diese Jobs viel zu überqualifiziert ist, mit einem Bachelor in International Hotel Management und 4 Jahren Arbeitserfahrung in der Hotelerie, fühlt sie sich trotzdem sehr wohl und hat nun die Chance jeden Tag umsonst Skifahren zu gehen. Jackpot!

Aber nun zurück nach Auckland. Die Agentur bei der ich unter Vertrag bin (Uniquemanagement) hat sich wirklich alle Mühe gegeben mich für so viele Jobs wie möglich zu bewerben, sodass das Modeln zu meinem Vollzeitjob wurde. Ich habe zwischen 2-4 Jobs pro Woche und zusätzlich Castings, Fittings (Anproben) und s.g. Go Sees („Vorstellungsgespräch“ bei einem Fotografen, damit dieser einen kennenlernt und auf dem Schirm hat für potentielle Jobs). Natürlich könnte ich mehr arbeiten und würde es auch gerne, aber es steht und fällt nun mal mit der Arbeit der Agentur und den Kontakten, die man hat. Leider konnte ich auch keinen Zweitjob finden, der mit der Flexibilität, die einem beim Modeln abverlangt wird, vereinbar war. Es ist vollkommen normal abends um 22 Uhr noch eine Nachricht vom Agenten zu bekommen, dass man morgen früh um 6 Uhr einen Jobangebot hat. Es steht mir immer frei einem Job zu- oder abzusagen, allerdings kommt beim Modeln finanziell viel mehr rum, als bei jedem anderen Job. Demnach versucht man jeden möglichen Job mitzunehmen und seitdem meine Agentur weiß, dass ich Vollzeit zur Verfügung stehe, werden manche Jobs auch ohne Absprache bestätigt. Es ist ein verrückter Beruf und für mich auch ein wenig komisch darüber zu sprechen. Ich habe vor neun Jahren damit angefangen und es war immer nur ein Hobby neben Schule und Universität. Normalerweise habe ich Leuten davon nicht erzählt oder zumindest erst, wenn sie mich eine Weile kannten. Zum einen, weil ich nicht darauf reduziert werden möchte und zum anderen, weil Leute dann dazu tendieren mich als Konkurrenz zu sehen, neidisch sind, mich für blond und dumm halten oder anderen Blödsinn. Ich berichte lieber von meinen Reisen oder wie schön unkompliziert das Leben sein kann. Doch da das Modeln hier in Auckland mein Hauptberuf ist, bleibt mir nichts anderes übrig als auf die Frage „What are you doing for work?“ mit „I am working as a model“ zu antworten, wenn ich sie nicht anlügen möchte. Es fühlt sich komisch und befremdlich an und wird auch nicht besser, da als Reaktion meistens nur ein „Oh…“ oder „Yah you can do that“ kommt. Die Wenigsten haben mit dieser Berufsgruppe zu tun oder wissen überhaupt, dass man das tatsächlich als eine Profession bezeichnen kann. Wenn ich dann davon erzähle, dass ich in einer 50m² Wohnung mit 5 anderen Leuten wohne und auf dem Fussboden schlafe, verfliegt meistens das Bild der arroganten Tussi aus dem Kopf der Leute und ich werde wieder normal behandelt. Der Job macht mir sehr viel Spaß, auch wenn er manchmal echt anstrengend sein kann, z.B. Lookbook-Shootings für die Online-Shops, bei denen man hunderte von Teile an einem Tag anhat und die Posen auch eher semi-kreativ sind. Aber ansonsten sind die Jobs eigentlich alle sehr abwechslungsreich, ich komme an verrückte Orte (Luxussuiten in Hotels, Fernsehstudio, etc.) und der Markt hier in Neuseeland spielt mir in die Hände. Das heißt es gibt nicht viel Konkurrenz, die Agentur vermarktet mich als „internationales Model“, kann somit mehr verlangen und die Kunden (im Gegensatz zu Europa) treffen eine Vorauswahl bei den Mädels, die sie zum Casting einladen und somit ist die Wahrscheinlichkeit, den Job zu kriegen sehr viel höher. Leider muss ich mind. 2 Monate auf meine Bezahlung warten, was aber in der Branche ganz normal ist, zumindest habe ich die gleiche Erfahrung in Deutschland und auch Australien gemacht. Hier mal ein paar Impressionen von meiner Arbeit:

Diese Woche ist Fashionweek in Auckland. Seit dem großen Fashionweek-Casting vor 3 Wochen, bei dem alle Models vor allen Designern gelaufen sind (eine riesige Fleischbeschauung), sind irgendwie alle am durchdrehen. Die Agentur ist kaum noch zu erreichen und die Designer buchen so viele Models wie möglich als Option damit „die Guten“ nicht für andere Shows gebucht werden können. Ich selber laufe diese Woche auf 7 verschiedenen Shows mit und hatte am Mittwoch schon mal das Vergnügen. Es ist der reinste Wahnsinn. Man kann sich Backstage noch nicht einmal die Nase putzen ohne das einem irgendeine Linse ins Gesicht gehalten wird. Alles ist voll mit Fotografen und Redakteuren. Und oh wehe dem, wenn das Makeup fertig ist, die Haare sitzen und du im ersten Outfit steckst. Hier ein Foto, da ein Foto, jetzt nochmal kurz nach rechts schauen und noch ein Bild mit dem Designer. Ich hatte zwischendurch Situationen wo eine Dame sich um die Makellosigkeit der Beine gekümmert hat, 3!!!!! Makeup-Artist sich gleichzeitig an meinem Gesicht ausgetobt haben, ich einen Reflektor in die Hand gedrückt bekommen habe und 3 Fotografen das ganze festgehalten haben. Fashionweek-Madness! Es ist wirklich sehr intensiv und ich könnte es nicht jeden Tag haben.

Wen es interessiert kann sich auch gerne die NZ Weddings Magazine Show (Minute 4.55/22.30) oder die Tanya Carlson Show (Minute 3.50/10.50) hier ansehen: https://nzfashionweek.com/watch-2017-shows

Und mehr von meiner Arbeit findet Ihr hier: https://www.instagram.com/gina_susan/

Aber nun genug von der Arbeit. Nachdem Linda auf die Südinsel gezogen ist, bin ich nochmal ganz spontan für eine Woche nach Malaysia geflogen und habe dort einen guten Freund aus der Heimat getroffen. Leider hatten wir gerade mal 5 Tage, wovon wir die Hälfte in Kuala Lumpur und die andere Hälfte auf Redang verbracht haben. Ich kann also nicht wirklich behaupten Malaysia bereist zu haben. Aber dort komme ich ja so oder so nochmal vorbei ;), deswegen hier nur ein paar wenige Impressionen der fünf Tage:

Nach diesem Kurztrip habe ich mir eine neue Bleibe in Auckland gesucht. Paul (Lindas ehemaliger Kommilitone), Marlene, Karla, Payam (alle ebenfalls aus Deutschland) und Parthey aus Indien haben mich in ihrer gerade mal 50m² großen Wohnung aufgenommen. Zweieinhalb Monate habe auf dem Fussboden geschlafen und nur $50 pro Woche gezahlt (Im Vergleich zu normalerweise $150-250/Woche extrem wenig). Privatsphäre gab es natürlich nicht wirklich, aber ich habe mich bei den 5 so wohl gefühlt und wir haben uns so gut verstanden, dass einstimmig entschieden wurde ich solle doch bleiben. Die kleine Wohnung mit Blick auf den Skytower ist perfekt gelegen auf der Upper Queenstreet, direkt neben der hippen Karangahape Road mit Cafés und Bars und nur 10 Minuten zu Fuß vom absoluten Stadtzentrum entfernt. Zu den verschieden Modeljobs konnte ich somit meistens laufen und habe mein Auto so gut wie garnicht mehr gebraucht. Die Freizeit wurde gut genutzt, um Auckland und Umgebung zu erkunden. Am Wochenende ging es meistens gemeinschaftlich feiern oder es wurde sich daheim das ein oder andere Glas beim Kings Cup spielen gegönnt. Obwohl ich Auckland erst sehr skeptisch gegenüber stand (vor allem aufgrund des unstetigen Wetters und dem fürchterlichen Verkehr) habe ich die Metropole sehr ins Herz geschlossen, was  wahrscheinlich hauptsächlich an dem großartigen WG-Leben liegt.

 

So nun zu guter Letzt (nach diesem viel zu langen Blogeintrag) noch ein kleiner Ausblick. 10 Monate hat mich Neuseeland so sehr verzaubert, doch das Fernweh sitzt wie ein Schalk im Nacken und ich habe meine Taschen gepackt. Jetzt wo ich nun endlich diesen Eintrag fertig schreibe sitze ich bereits auf den Philippinen und bin in einer ganz anderen Welt. Meine Pläne hatten sich in den letzten Monaten tausend mal geändert, doch letztendlich habe ich entschieden durch Südostasien zu reisen. Was genau ich hier treibe, erzähle ich im nächsten Beitrag 🙂

In diesem Sinne, bis dahin, haltet die Ohren steiff!

Eure Gina

 

We are on fiji time!

Bula, meine Lieben und herzlich Willkommen in Fidschi.

Für zwei Wochen sind Linda und ich in das absolute Paradies geflogen und hatten einen der schönsten Urlaube überhaupt. Doch bevor ich von unserem Inselhopping-Trip erzähle, erstmal ein paar Eckdaten zu Fidschi:

Die 332 Inseln, von denen nur 110 bewohnt sind liegen östlich von Australien und ca. 2000 Kilometer nördlich von Auckland. Auf den insgesamt 18.333 km² (zum Vergleich Deutschland: 357.375 km²) leben ca. 890.000 Menschen, die meisten davon auf den beiden Hauptinseln Viti Levu und Vanua Levu, welche neun Zehntel der Landesfläche umfassen. Die parlamentarische Demokratie besteht zu 57,3 % aus Angehörigen der ursprünglichen fidschianischen Bevölkerung und zu etwa 37,6 % aus Indern. Gesprochen wird Fidschianisch, Fidschi-Hindi und Englisch, welches während der Schulzeit von mindestens 8 Jahren gelehrt wird. Fast alle Fidschianer sind evangelische Christen und der indische Bevölkerungsanteil gehört der drittgrößten Weltreligion, dem Hinduismus an.  An dieser Stelle erstmal ein Danke an Wikipedia! Kommen wir nun zu unserer Reise:

Linda und ich hatten den Flug gerade mal 3 Tage im Voraus gebucht und außer die erste Übernachtung in Nadi im „Wailoaloa (nicht am-) Beach Resort“ war noch Nichts geplant. Am ersten Tag ging es also in die Stadt und wir wurden direkt mit der Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit der Fidschis überhäuft. Kaum aus dem Bus gestiegen kam auch schon ein Local zu uns und auf die Frage, wo wir denn ein Travelagent finden, brachte er uns in einen kleinen Ramschladen in dem einige Frauen saßen, wovon eine unsere Reiseplanerin werden sollte. Nachdem sie uns ein Angebot gemacht hatte, wollten wir das entsprechende Geld besorgen und ich musste leider feststellen, dass die Bankautomaten an diesem Tag nicht so auf meiner Seite waren. Naja fassen wir es kurz, Pin mehrfach verwechselt, Karten zu oft ausprobiert, Tageslimit erreicht und erfolgreich 3 Karten gesperrt. Sch****. Nach einer Stunde rumtelefonieren über Skype hatte sich das Gott sei Dank wieder regeln lassen.                                     An dieser Stelle ein Tipp an alle Reisende: Wenn man Guthaben auf seinen Skypeaccount geladen hat, kostet der Anruf, egal in welches Land nur wenige Cents und ein Internetcafe findet man eigentlich immer (z.B. von Neuseeland ins deutsche Festnetz 3 Cent/Minute).                                                                                                     Auf dem Rückweg zum „Reisebüro“ wurde uns von der Konkurrenz ein besseres Angebot gemacht. Nach langem Hickhack, Travel-Agent-Hopping und „bei dem Anderen hat die Unterkunft aber weniger gekostet“ – Argumenten haben wir den Discount vom Discount vom Discount herausschlagen können und den bestmöglichen Preis bekommen. Wir haben insgesamt für 12 Tage, 4 verschiedene Inseln, alle Unterkünfte (hauptsächlich dorms/Schlafsäle), Mahlzeiten, Transfers inklusive gerade mal 1.150 Fidschi-Dollar ≙ 500 € gezahlt. Ein unschlagbarer Preis! (Laut dem World Wide Web empfiehlt es sich eh, für Fiji alles erst vor Ort zu buchen, was ich aus Gesprächen mit anderen Reisenden auch nur bestätigen kann.)

Gemeinsam ging es also am folgenden Tag nach Mana Island, wo wir herzlichst mit Musik und Gesang am Strand empfangen wurden. Eine wunderschöne Tradition die uns auf jeder Insel zuteil wurde.

Und endlich stehen wir am weißen Sandstrand. Palmen wedeln in der Sonne. Das Wasser ist glasklar. Man fühlt sich wie in einer Postkarte. Die Schuhe werden bis zum Abflug nicht mehr gebraucht und die Uhren werden auf Fiji time gestellt. Hektik ist hier ein Fremdwort und man lässt sich anstecken von der tiefen Gelassenheit der Fidschianer. Aus um 3 wird um 4, das Boot kommt für gewöhnlich mindestens eine halbe Stunde später und wenn das mit dem Villagetrip heute nicht klappt, ist das auch nicht so schlimm, denn es sind ja alle on Fiji time. Für den Deutschen etwas gewöhnungsbedürftig, aber da man sich auf kleinen Insel befindet und auf die Bootsfahrer angewiesen ist, bleibt einem eh Nichts anderes übrig als sich zu entspannen. Wlan und Telefonempfang ist hier auch eher eine Rarität und somit ist ein Urlaub auf Fidschi das beste Mittel zum Entschleunigen.

Auf jeder Insel verbringen wir ungefähr 3 Nächte, was gerade so genug ist, um alle activities, die von den jeweiligen Ressorts angeboten werden (meistens kostenfrei oder sehr kostengünsig) mitzunehmen, schnorcheln zu gehen und noch genügend Zeit zu haben, um zu entspannen. Drei mal am Tag gibt es Essen, was leider Gottes nicht immer so deliziös ist. Die Fidschis kombinieren gerne Kohlenhydrate mit Kohlenhydraten und so gibt es gefühlt täglich Fleisch mit Reis UND Kartoffel oder Casava (die Fidschi-Kartoffel). Zum Frühstück darf man sich mit trockenen Pancakes, süßem Brot und Früchten beglücken und zum Abendbrot gibt es Currys oder traditionelle Gerichte. Naja Food-Heaven ist was anderes, aber hinsichtlich dessen, dass die meisten Lebensmittel erst von der Hauptinsel zu den kleineren Inseln gebracht werden müssen, wollen wir mal nicht so sein. Apropos von einer Insel zur Anderen kommen. Kleine, einfache Fischerboote bringen dich und dein Gepäck zu der Fähre, die alle bewohnbaren Inseln miteinander verbindet und das Einzige ist, was angeblich nicht on Fiji time ist. Dort trifft man dann auch meistens Leute wieder, die man schon auf anderen Inseln kennengelernt hat, da alle ungefähr die gleiche Route durch die s.g. Yasava Islands abklappern. Wir haben z.B. ein paar Schweden fünf mal innerhalb der 12 Tage getroffen und uns so gut verstanden, dass wir uns anschließend auch in Auckland nochmal gesehen haben.
Den Rest gibt es in Bildern mit entsprechenden Erklärungen dazu.

 

 

 

Winter is coming

Die Sonne scheint, es ist immer noch recht warm, doch die Bäume schmücken sich nun mit warmen Farben und entledigen sich allmählich ihrer Kleider. Ab 17 Uhr spätestens ist es Zeit für den ersten dicken Pulli und eine halbe Stunde später sagt auch schon die Sonne Adieu. Seit dem 2. April befindet sich Neuseeland in der Winterzeit und die Zeitverschiebung zu Deutschland beträgt nicht mehr 12 Stunden, sondern nur noch 10.

Nach der Arbeit fahren Linda und ich meistens zu unserem Lieblingsplatz am Meer, 2 km außerhalb von Thames, um den Tag ausklingen zu lassen, noch ein paar Sonnenstrahlen zu erhaschen und der Sonne bei ihrer letzten Vorstellung zuzusehen. Café Melbourne beschäftigt Linda nach wie vor und die Gute ist mittlerweile ein s.g. Barista geworden. Sowohl in Australien, wie auch in Neuseeland ist es üblich diese Ausbildung zum Kaffee-Profi zu absolvieren, bevor man eine Kaffeemaschine bedienen darf. Der hohe Standard des Cafés gefällt uns beiden sehr gut und ich verbringe gerne dort die Zeit nach der Arbeit und profitiere vom beste-Freunde-Discount.

Ich weiß es mag komisch für Manchen klingen, aber der Housekeeping-Job im Tuscany Motel bereitet mir sehr viel Freude und die Möglichkeit abzuschalten. Ich genieße es mit Hörspiel in den Ohren perfekte Ecken in die Bettlaken zu falten, die Goodies, wie Shampoo, Seife, Tee, Kaffee, etc. zu arrangieren und die Spiegel zu polieren. Eine rein physische Arbeit, die ich aller 2-3 Tage routiniert in ungefähr 3 Zimmern ausführe, um anschließend mit meinen Arbeitgebern beim liebevoll angerichteten Lunch noch ein wenig zu plaudern.

Im Auftrag des lokalen Radiosenders Coromandel More FM führen Linda und ich nebenbei Kundenumfragen durch, helfen bei Werbeaktionen mit, begleiten die Salesmanager oder besetzten einfach nur die Rezeption, wenn niemand da ist. Der Job ist sehr gut bezahlt und es ist interessant mal hinter die Kulissen eines Radiosenders zu schauen.

Diese zwei Gelegenheitsjobs ermöglichen es auf jeden Fall die Lebenshaltungskosten von ungefähr $150/Woche zu decken. Priorität haben jedoch die Modeljobs in Auckland. Leider ist es kein regelmäßiges Einkommen, mit dem man fest rechnen kann. Die anderthalbstündige Fahrt nach Auckland hat sich dennoch schon mehrfach gelohnt und ich konnte einige Castings für mich entscheiden. Dieser Job ist so abwechslungsreich und ich finde es herrlich immer wieder in neue Situationen rein geworfen zu werden und mit einem neuen Team zusammen zu arbeiten. An manchen Tagen ist es total relaxed und ich habe viel Zeit zwischendurch zum Entspannen. An anderen Tagen wird acht Stunden durchgearbeitet und du bist froh wenn du deine 10 Minuten zwischendurch hast, um dir was vom Catering reinzustopfen, während du gleichzeitig die Haare gemacht bekommst. Gerade wenn Fotos für den Onlineshop erstellt werden müssen, sind die Tage oft sehr lang, unendlich viele Teile, die fotografiert werden und die selben Posen all day long. Es ist immer wieder interessant zu sehen, wie gemogelt wird, die Sachen abgesteckt werden oder du für das vorher/nachher Foto dein Gesicht fleckig gerubbelt bekommst, damit der Unterschied möglichst groß ist. Da ich mit 23 schon zu den etwas „älteren“ Models zähle, werde ich hauptsächlich für Frauenrollen gebucht, wie Hochzeitskleider oder Kollektionen, die eher unserer Elterngeneration entsprechen. Leider ist es komplett normal, dass man keine Fotos von den Shootings bekommt, wenn man bei einer Agentur unter Vertrag ist. Dennoch hier ein paar wenige Impressionen:

Aber nun genug von der Arbeit. In den zweieinhalb Monaten, die wir in Thames verbracht haben, haben wir weiterhin bei Roger, seiner Tochter Brooke und den zwei Enkeln Khaleesi und Sienna gewohnt.

Trotzdem, dass das Wetter in der Waikato-Region weitestgehend gut ist, suchten uns zwischendurch heftige Regenfälle heim. Die Straßen wurden überschwemmt, Menschen wurden teilweise evakuiert, bei uns fiel Strom und Wasser aus, aber die angekündigten Zyklone blieben bislang Gott sei Dank fern.

Unsere Freizeit nutzen wir bevorzugt, um die Gegend um Thames zu erkunden und haben uns total in das, fast neongrüne Gras der Wiesen und Hänge verliebt.

Nachdem ich in den vergangenen Monaten beide Inseln schon weitestgehend erkundet hatte, fehlte jedoch noch ein ganz wichtiger Berg. Mount Taranaki. Der 2518 m hohe, fast perfekt symmetrische Vulkan liegt ganz im Westen der Nordinsel Neuseelands. Aufgrund des sehr wechselhaften Wetters und die zum Teil unerfahrenen Bergsteiger erreicht der Berg leider die höchste Todesrate auf allen neuseeländischen Bergen. Gutes Timing und eine entsprechende Ausrüstung war also Voraussetzung. Wir haben zwar den perfekten Tag wettertechnisch abgepasst, doch leider sind wir ein bisschen zu spät losgegangen und hatten vom Abstieg grade mal ein Drittel geschafft, da wurde es schon finster. Doch mit genügend Klamotten, Essen, Wasser und Stirnlampe im Gepäck war es auch nicht so schlimm, dass wir insgesamt 12 Stunden für den Track gebraucht haben. Wir haben uns viel Zeit gelassen, da man in den gerade mal 6,3 km (one way) 1600 Höhenmeter zurücklegt, über Geröllfelder läuft (heißt zwei Schritt vor und einen wieder zurück) und die letzte Stunde zum Gipfel klettern muss. Aber es lohnt sich sooooooo sehr, wie ihr gleich sehen werdet:

Nach der Zeit bei Rogers durften wir noch eine Woche bei Sharon im lokalen Pub wohnen. Wir haben ihr hier und da unter die Arme gegriffen und uns riesig über die Bekanntschaft der Dorfjugend gefreut. Endlich mal ein bisschen Rambazamba! Zur wöchentlichen Billard-Competition sollten wir hinter der Bar stehen. Da mir die Getränke weitestgehend unbekannt waren und ich noch nie hinter der Bar stand, war das Ganze ein sehr amüsantes Unterfangen und ich durfte mir von den Stammgästen erklären lassen, wo ich was finde. Diese waren jedoch alle sehr gut drauf und jegliche Seriosität war durch das Kleidermotto „Gangster“ eh dahin:

Nach den zweieinhalb Monaten in Thames war es Zeit weiterzuziehen und bevor es runter auf die Südinsel zur Skisession gehen sollte, wollten wir nochmal einen Abstecher ins Warme machen. Aus Kostengründen haben wir uns für Fiji entschieden, doch zu diesen traumhaften zwei Wochen, möchte ich mich im nächsten Blogeintrag äußern.

In diesem Sinne, bis dahin!

Willkommen bei Rogers

Hallo ihr Lieben,

hab lange nichts hören lassen, dafür jetzt umso mehr ;).

Nachdem Eric und ich mehrere Tage in der Art Déco Stadt Napier verbracht hatten, ging es weiter Richtung Auckland, um dort seinen Van zu verkaufen. 2 Wochen blieben uns noch bevor Eric nach Bali geflogen ist, um dort einen Monat lang das Surfen zu lernen.

Napier ist wirklich eine schöne Stadt und bietet viele Ausflugsmöglichkeiten in der Umgebung. Leider ist das Meer hier zu schroff und die Wellen zu hoch, dass man nicht wirklich baden gehen kann. Die Hitze drückt und man flüchtet sich zu Wasserfällen oder entfernten Sandstränden.

Eric hatte schon Tage vorher seinen Van bei Facebook und Trade me (dem neuseeländischen Ebay Kleinanzeigen) zum Verkauf gestellt und somit hat es nur einen Tag gebraucht, bis wir in Auckland unser Zuhause für $5200 (ca. 3400€) verkaufen konnten. Leider war das Wetter schlecht und wir wollten so schnell wie möglich aus der Großstadt raus, um zur Coromandel Halbinsel östlich von Auckland aufzubrechen. Die s.g. Coromandel Peninsula ist 85 km lang und 40 km breit. Im Kreis ging es einmal um die dünnbesiedelte Halbinsel. 400 Kilometer leuchtend weißer Sandstrände, rustikale Dörfer, und ein mit Regenwald bedecktes Landesinnere sorgen für Urlaubsfeeling und viel Kamerafutter.

 

Am 22. Februar kam Linda von der Südinsel zurück und wir hatten noch eine Woche zu dritt, bis Eric sich nach Bali aufmachte. Mit dem Verkauf des Vans sind wir wieder auf den Mitsubishi Chariot Station Wagon umgestiegen, doch der Platz reicht leider nicht für drei. Einen Monat zuvor ist Linda mit dem Neuseeländer Roger beim Rodeo ins Gespräch gekommen und er hatte uns angeboten, dass wir jeder Zeit bei ihm vorbeischauen können. Also wohnten wir eine Woche bei Roger, seiner Tochter und den zwei Enkelkindern. Das Grundstück befindet sich am Fuße der Coromandel Peninsula, genau in der Mitte zwischen den zwei Orten Thames (mit ungefähr 7500 Einwohnern der größte Ort der Halbinsel) und Paeroa. Ein riesiger Garten umgibt das Haus und jede Menge Tiere (Pferd Willow, Zwergpferd Chico, 2 Kaninchen, 4 Hühner, Katze Ava, ein Schwein und vier Enten). Außerdem wachsen im Garten Kiwis, Avocados, Mandarinen, Orangen, Kakis, Makadamianüsse, Quitten, Feigen, Zitronen, Walnüsse, Tomaten, Weintrauben und Kartoffeln. Ein absolutes Paradies. Ansonsten wird mit den Kids gespielt oder zum Rodeo gegangen.

Zu dritt ging es für zwei Tage zur Pinnacles Hut im spektakulären Kauaeranga Valley, geziert von Pinnacles (Berggipfeln), Steilhängen und Schluchten, die aus einer über Millionen Jahre dauernden Serie an vulkanischen Aktivitäten und Erosion entstanden ist. Nach 4 Stunden Aufstieg erreichen wir die luxuriöseste und größte Berghütte, die ich je gesehen hab. Insgesamt bis zu 82 Menschen können dort für je $15 übernachten, es gibt fließend Wasser, Kaltduschen, eine Küche und riesige Terrassen zum Verweilen. Leider haben wir das Wetter ein bisschen unterschätzt und sind nicht zum Sonnenuntergang auf den Gipfel hoch als das Wetter noch schön war, sondern erst zum Sonnenaufgang und alles hing im Nebel. Naja man hat drauß gelernt.

Für Linda und mich gings nach Erics Abfahrt erst einmal zum nahegelegenen Bay of Plenty, um ein paar Tage noch rumzureisen, bevor wir anfangen mussten zu arbeiten. Die 259 km lange Bucht hat ein paar wahnsinnig schöne Schätze zu bieten, doch leider war das Wetter nur für wenige Tage auf unserer Seite.

Es ging also im Anschluss zurück zu Rogers. Wir haben uns in jedem Laden in Thames und Paeroa beworben und haben nun mehrere Gelegenheitsjobs gleichzeitig. Linda arbeiten 20-25h pro Woche im sehr guten Café Melbourne und wir promoten einen lokalen Radiosender ein-zweimal die Woche. Ansonsten helfen wir zeitweise in einem lokalen Pub aus und können uns in Pauanui um die Vorgärten der Reichen kümmern. Außerdem pflücke ich an einigen Tagen Kiwis, denn was für ein Backpacker wäre ich denn, wenn ich Fruitpicking nicht gemacht hätte. Die Tragetasche, die an den Schultern vor dem Bauch hängt, wird mit bis zu 25kg Kiwis beladen, bevor sie im Trailer entladen wird. Nach 7-8 Stunden ist man platt und die Schultern tun super weh. Es ist der physisch anstrengendste Job, den ich bisher hatte, aber auf jeden Fall eine Erfahrung wert. Ganz im Gegensatz dazu bin ich auch wieder unter Vertrag bei einer Modelagentur in Auckland und habe laut der Agenten gute Chancen in Neuseeland. Der Commercial (Werbung) -Markt ist hier sehr viel größer und es wird eher weniger nach super dünnen Models gesucht. Somit konnte ich mir beim gestrigen Casting direkt den ersten Job sichern und werde in 2 Wochen in Hochzeitskleidern shooten.

Wir könnten somit theoretisch jeden Tag arbeiten ($15-$20/h, beim Modeln ein „bisschen“ mehr) und viel Geld ansparen, um hoffentlich im Mai einen Abstecher zu einer Pazifikinsel zu machen (bisher im Gespräch waren Bali, Fiji und Tonga – für Vorschläge, Tipps etc. wären wir sehr dankbar). Anschließend haben wir uns für die Skisaison (Juli-August) auf der Südinsel beworben und hoffen ganz sehr, dass das klappt. Ich finde es auf jeden Fall herrlich in so viele verschiedene Berufe reinzuschnuppern, die daheim für mich wahrscheinlich nicht in Frage kämen.

 

Roadtrip 2.0

Seit nun schon 2 Monaten befinden wir uns auf unserem Roadtrip, erkunden Neuseeland und leben im Auto. Doch ein bisschen was hat sich geändert. Linda ist nun endlich auch am anderen Ende der Welt angekommen und aus diesem Grund haben wir einen Fahrzeugwechsel vorgenommen. Erics selbst ausgebauter Mitsubishi L300 Bus, mit welchem er vorher gereist ist, war in Auckland zwischen stationiert und wir holten unser neues Zuhause am 11. Januar ab.

Zu dritt ging es dann zu den beiden Neuseeländern Aron (46) und seinem Sohn Jeremy (17) nach Dargaville. Wir konnten für eine Woche die Autos im Hof abstellen und bei den Beiden hausen. In dieser Zeit haben wir die zwei Deutschen Tim und Yorick aus Auckland wieder getroffen und uns so gut verstanden, dass wir zu fünft 3 Tage bei Aron verbracht haben. Die Zeit war wunderbar, wir haben alle Aktivitäten und Ausflüge in der Gegend abgeklappert und herrliche Abende in Aron‘s Garage verbracht.

Da Eric und ich die Südinsel bereits kannten und nicht nochmal den Weg und die Kosten auf uns nehmen wollten, entschied sich Linda erstmal bis Ende Februar mit Yorick und Tim die Südinsel zu erkunden. Die Gelegenheit war einfach so passend, ansonsten wäre ihr diese (naturtechnisch spektakulärerer) Insel Neuseelands entgangen. Also ging es für Eric und mich weiter Richtung Northland (dem obersten Zipfel der Nordinsel). Vom nördlichsten Punkt Neuseelands (Cape Reinga) sind wir dann über die Ostküste runter bis nach Napier gefahren.

An das Leben im Van hat man sich mittlerweile sehr gut gewöhnt. Die Gasflasche wird gewissenhaft an die Herdplatten angeschlossen, aus der Dachbox werden Tisch und Stühle routiniert aufgebaut und man findet alles auf den ersten oder zweiten Griff, da jeder Gegenstand seinen festen Platz hat. Objekte der gleichen Kategorie befinden sich in s.g. Units in Ziplocktüten. So finden z.B. alle Technik-Utensilien Platz in einer dieser durchsichtigen Tüten, wie auch täglich gebrauchte Kosmetikartikel, Spiele, uvm. Die Klamotten werden einzeln zu Rollen zusammengewickelt und in eine Kiste nebeneinander gereiht. Anziehsachen die täglich gebraucht werden kommen hinter die Sitze. Auch die Einkaufsliste weist gewisse Standard-Lebensmittel auf und ich übernehme meistens das Kochen, da Eric uns von A nach B bringt. Zum Frühstück gibt es ein von uns liebevoll bezeichnetes Mördersandwich, bestehend aus zwei Scheiben „kommt-Brot-recht-nah-ist-trotzdem-ein-Toast“, Avocado, Salami, Käse, rote Beete, Aufstrich und wenn wir uns „mal richtig gönnen“ noch ein Spiegelei (daher die Bezeichnung). Zum Mittag wird dann meistens nur gesnaked, um Abends entweder Couscous-Salat, Nudeln, selbstgemachtes Humus mit Gemüse und Reis oder doch noch ein Mördersandwich (weils „so nice“ ist) zu verzehren.

Beim anschließenden Zähneputzen stellt sich dann die Challenge : wie schaffe ich es, dass der permanente Wind mir meine Spucke nicht ans Bein wedelt? Wenn das geschafft ist und man glücklicherweise in der Nähe noch eine öffentliche Toilette hat (die es hier im Übrigen überall und kostenfrei gibt), hat man es schon ziemlich weit gebracht.

Besonders erfreulich, wenn man zu dieser Zeit schon auf einer hoffentlich kostenfreien Campsite steht und sich nicht noch ein Versteck am Rande des Feldes, hinter Büschen oder in einer Wohnsiedlung suchen muss, da Campermate und Co. in der entsprechenden Gegend nur völlig überteuerte Campingplätze anbieten. Viele Campsites basieren auf Ehrlichkeit und es gibt nur eine Vertrauenskasse. Der Besitzer kommt diese zumeist einmal täglich leeren und stattet seinen Gästen einen Besuch ab. Campgrounds generell sind eine super Gelegenheit, um neue Leute kennenzulernen oder auch mit Kiwis ins Gespräch zu kommen. Laut dem Motto „sharing is caring“, wird der Wein geteilt, zusammen gesessen und Geschichten ausgetauscht. Empfehlungen werden ausgesprochen und noch mehr Nadeln mit Reisezielen werden bei maps.me gesetzt.

Für Eric geht’s Ende Februar weiter Richtung Bali und ich werde gemeinsam mit Linda mit dem Mitsubishi Chariot durch Neuseeland ziehen und nach Arbeit suchen.

Ich habe wieder eine Bildergallerie erstellt mit den schönsten Plätzen und Eindrücken, die wir in den letzten Wochen gesammelt haben. Die Vielfältigkeit Neuseelands lässt auch auf der Nordinsel nicht zu wünschen übrig. In diesem Sinne bis zum nächsten Mal.

Eure Gina

Roadtrip 1.0

Seit dreieinhalb Wochen sind wir nun schon unterwegs und ich weiß ehrlich nicht, wie ich diese ganzen Eindrücke in einem Blogeintrag zusammenfassen soll. Es ist einfach zu viel und unsere Köpfe haben schon zu tun, die ganzen Bilder zu verarbeiten. Naja gut, fangen wir erst einmal mit der Route an. Ca. 3000 km haben wir bereits hinter uns gelegt:

Als erstes haben wir unser Hauslamm Roasty auf eine Lavendelfarm mit Streichelzoo gebracht. Dort ist sie sicher und wird nicht gegessen. Da wir keinen Anhänger für das Auto hatten, saß die Kleine auf meinem Schoss und musste permanent vor Aufregung aufstoßen, sehr zum Leid unserer Nasen. Bevor wir Omarama endgültig verlassen hatten, habe ich mir noch die s.g. Claycliffs angesehen. Je mehr man sich den zerklüfteten, nahezu senkrecht aufragenden Felswänden nähert, desto spektakulärer erscheinen sie. Die unzähligen Pfeiler, Felsnadeln, Kämme und Schluchten entstanden vor rund 2 Millionen Jahren und erinnern heute an eine riesige Sandburg. Die mächtigen Klippen bestehen aus abertausenden Schichten von Schlick und Geröll, die von fließenden Gletschern aufgetürmt wurden.

Doch kommen wir nun zu unsere eigentlichen Roadtrip. So wirklich geplant hatten wir nicht, was wir uns genau ansehen wollten, wir hatten nur eine ungefähre Route. Doch dank den Apps CamperMate und maps.me war das auch garkein Problem. Auf maps.me hatten wir uns immer wieder Empfehlungen und Orte, die uns interessieren markiert (bzw. auch die, wo wir schon waren) und CamperMate bietet die Möglichkeit alle Aktivitäten bzw. Sehenswürdigkeiten an jedem beliebigen Ort nachzuschlagen. Ebenso sieht man alle Campingplätze (sortiert nach Preisklassen und Self- bzw. non-selfcontained), Duschmöglichkeiten, Waschsalons, Einkaufsmöglichkeiten, Wasserstellen, öffentliche Toiletten, Tankstellen, WiFi-Möglchkeiten (sehr wichtig trotz neuseeländischer Simkarte) und vieles mehr. Diese App sichert also sozusagen unser Überleben ;). Wir versuchen weitestgehend kostenlos zu übernachten, was durch die unzähligen free Campsites auch nicht schwer ist, ansonsten versteckt man sich halt mal irgendwo ;). Zum duschen kommen wir aller zwei bis drei Tage, entweder auf einer Pay Campsite, im Schwimmbad oder in öffentlichen Duschen. Gewaschen wird im Waschsalon oder per Hand. Kulinarisch versuchen wir uns so energiereich wie möglich zu versorgen, essen viel Dosenfisch, Couscoussalat, Früchte, etc. Eben alles, was sich auch mal ein paar Tage ungekühlt hält. Zwei portable Herdplatten geben uns die Möglichkeit zu kochen und um den Abwasch gering zu halten, wird meistens direkt aus dem Topf gegessen. Falls bei unserem Equipment etwas fehlen sollte, suchen wir in einem der vielen OP Shop nach dem entsprechenden Utensil oder auch Klamotten. OP Shops bzw. Secondhand-Läden sind sehr populär in Neuseeland und meistens auch sehr günstig, ganz im Gegenteil zu deutschen Vintagestores. Auch der kleinste Ort hat einen OP Shop und es ist mehr oder weniger selbstverständlich, dass man seine gebrauchten Sachen dort hinschafft. Ein riesen Lob an diesen nachhaltigen Lebensstil. Allerdings wird Mülltrennung hier eher klein geschrieben. Grade auf dem Land verbrennen die Meisten ihren Müll selber.

Zurück zu unserer Reise. Mit einer Bevölkerungsdichte von grade mal 17,46 Einwohner pro km² (im Vergleich Deutschland 230 Einwohner pro km²) könnte man vermuten, dass man nicht so häufig neue Leute kennenlernt. Doch die offene Art der Kiwis und deren fantastischer Humor macht es einem sehr leicht. Um Kiwis kennenzulernen geht man am besten ins nächste Pub, in welchen es auch fast immer Live Music gibt. Da wir Backpacker sind und meistens auf Campsites übernachten, lernen wir aber hauptsächlich andere Backpacker kennen, die mit einer 50:50 Chance entweder aus Deutschland oder aus Frankreich kommen. Es ist wirklich unglaublich wie viele Deutsche hier sind. Mallorca 2.0 könnte man regelrecht sagen. Naja ich will mich nicht beschweren, wir sind alle Reisende, man kann sich über Vieles austauschen und Tipps einsammeln.

Um euch zu zeigen, was wir in den fast vier Wochen alles so gesehen haben, habe ich eine Bildergalerie erstellt, mit Beschreibungen zu jedem Bild. Klickt einfach auf das erste Bild, blättert mal durch und lasst euch von der Vielfältigkeit Neuseelands überwältigen. Damit ihr eine Vorstellung davon bekommt, wie abwechslungsreich unsere Tage sind, habe ich im Anschluss der Galerie mein Notiz-Tagebuch beigefügt ;).

Für uns geht es jetzt weiter nach Auckland, denn meine Freundin Linda ist endlich angekommen und ab sofort geht es zu dritt weiter. Wir freuen uns schon riesig in den kommenden Wochen die Nordinsel zu erkunden. Bis dahin haltet die Ohren steif und erfriert mir nicht in der kalten Heimat.

Eure Gina

 

16.12.2016
Kurow – Roasty an Westmere Lavender Farm abgegeben
Moeraki Boulders
Shag Point – viele Robben und man ist ganz alleine
Dunedin – essen beim Japaner, flanieren, Flasche Wein im Park geleert, Pub und auf dem Heimweg spontan in einer Bar feiern gewesen, Nacht in einem Innenhof verbracht
17.12.2016
Dunedin – shoppen Op Shop, Tunnelbeach, Abendbrot am Stadtstrand, Pub Dog with Two Tails, Übernachtung bei Kumpel Wils vorm Haus, schöner Abend im Auto
18.12.2016
Dunedin – Albatros Point, erkunden der Halbinsel, Sandfly Beach mit Hookers/New Zealand Sealions
Shoesroad
Übernachten auf der Hillview Campsite kurz vorm Nugget Point
19.12.2016
Sonnenaufgang am Nugget Point gesehen
Kaka Point
Purakaunui Falls
The Lost Gypsy
Florence Hill Lookout
Lake Wilkie
Invercargill
Übernachtung auf Parkplatz in Lumsden
20.12.2016
Queenstown
Chillen am Kawarau River
Roaring Meg Falls
Cromwell
Übernachtung auf Champagne Gully, free Campsite am Fluss
21.12.2016
Wanaka
Wastebusters
Lake Hawea Lookout
Stop between the lakes
Blue Pools
Thunder Creek Falls
Roaring Billy Falls Walk
Übernachtung im Paringa Lodge Motel
22.12.2016
Bruce Bay
Lake Matheson – Fox Glacier
Glühwürmchen Walk in Fox Glacier
Übernachtung im Top 10 Campsite
23.12.2016
Fox Glacier
Franz Josef Glacier
Hokitika rumgecruised
Abend am Aussichtspunkt oberhalb vom Woodstock Hotel verbracht – genau dazwischen sehr beeindruckende Glühwürmchenhöhle
Übernachtung Woodstock Hotel
24.12.2016
Riesen Frühstück am Aussichtspunkt vom Vorabend
Baden im Schwimmbad von Hokitika
Strandspaziergang an Flussmündung + Jade/Greenstone suchen
Pizza essen
Schlafspot am Fluss gefunden
25.12.2016
Verkatert
Entspannen am Strand von Hokitika
Greymouth Aussichtspunkt
Entspannen an einsamen Strand mit Felsen in Wasser, abenteuerlicher Weg
Pancake Rocks
Westport
Übernachtung am Strand, Ranger hat uns fortgescheucht- Restliche Nacht auf Parkplatz in Westport
26.12.2016
Bummeln in Westport
Cape Foulwind
Seal Colony Tauranga Bay
Richmond – Döner essen
Ruby Bay Übernachtung auf McKee Memorial Reserve
Lagerfeuer am Strand
27.12.2016
Tahunanui Nelson Schwimmen im Meer
Wäsche waschen
Bummeln in Nelson
Zurück zur Campsite vom Vorabend
Strandspaziergang
Baum mit Muscheln geschmückt
28.12.2016
Breaker Bay Beach Kaiteriteri
Split Apple Rock
Übernachtung Marahau Campsite
29.12.2016
Takaka
Rumbummeln
Entspannen am Flussufer
Free Campsite mitten im Wald
Preparty auf Campsite vom Infinite one Festival
30.12.2016
Sanddünen am Farewell Spit
Cape Farewell
Wharariki Beach
Übernachtung auf Campsite vom Vorabend
31.12.2016
Nelson
Rumbummeln in Nelson
Kino
Vorglühen auf Parkplatz, wo wir später auch übernachtet haben
Reinfeiern Straßenfest Nelson
3 Clubs
1.1.2017
Verkatert
Robin Hood Bay Campsite
Pauas am Strand gesucht
2.1.2017
Picton
Rumbummeln
Lookout over Picton
Ngakuta Bay
Picton Harbour Lookout auf Landzunge vor Picton
Kleiner Strand
Fährfahrt nach Wellington
Übernachtung auf Parkplatz in Wellington
3.1.2017
Mount Victoria Lookout
Te Papa Tongarewa New Zealand national Museum
Mit Flasche Wein in Charles Plimmer Park
Bar „The Fringe“ mit Live Music jeder artist hatte 15 Minuten
Übernachtung auf Parkplatz vom Vorabend
4.1.2017
Rumbummeln in Wellington
Lookout unterhalb von Paekakariki mit Blick auf Kapiti Island
Otaki Beach + rumbummeln
Wanganui
Übernachtung Ruatiti Domain
5.1.2016
Horopito Vintage vehicles and museum
Mount doom/Mt Ngauruhoe/Schicksalsberg (start bei 1100m Gipfel auf 2287m)
Taupo
Pizza
Übernachtung auf Reid’s Farm
6.1.2016
Huka Falls
Entspannen und kochen im Park am Lake Taupo
Reid’s Farm
Verrückte Party mit Backpackern und Kiwis auf der Campsite
(Cheermecona)
7.1.2016
Saturday market TaupoRuapuke BeachÜbernachtung auf Ruapuke CampgroundSchöner Abend mit Backpackern

 

8.1.2016

Bridal Veil Falls

Raglan rumbummeln

Entspanntag

Übernachtung auf Te Kopua Whanau Camp

 

Als Backpacker muss man schon mal ins Klo greifen

Hallo ihr Lieben,

vier Wochen sind seit dem letzten Eintrag vergangen und es gibt einiges zu berichten. Omarama und Umgebung sind mir wirklich ans Herz gewachsen und es fällt fast ein bisschen schwer, diesen Ort zu verlassen und weiterzuziehen. Eric und ich haben aufgehört zu arbeiten und es geht weiter Richtung Ostküste bzw. Dunedin. Wie bereits erwähnt habe ich in den vergangenen Wochen bei einer Familie als s.g. Housekeeper gearbeitet (Housekeeper hört sich ja ganz schön an, aber ums mal auf den Punkt zu bringen…ich war ne Putze ;)). Erstaunlicherweise war der Job garnicht mal so schlecht und ich bin, glaube ich, zu einer Art Putzfreek mutiert. Klar es ist nicht die beste Arbeit, aber als Backpacker und für so einen kurzen Zeitraum muss man schon mal ins Klo greifen ;). Da ich dort nur ein-/zweimal die Woche gebraucht wurde, habe ich die Jobanzeige eines Motels in Omarama wahrgenommen und dort den gleichen Job übernommen. Das Housekeeper Team des Sierra Motels besteht aus 7 Leuten, von denen immer ungefähr 4 Personen von 9-12/13Uhr die Zimmer auf Vordermann bringen.  Die Mitarbeiter könnten nicht unterschiedlicher sein (von 17 – 73 Jahren alles dabei), doch gerade das macht es interessant und wir haben viele amüsante Gespräche. Am Bettenmachen habe ich den meisten Gefallen gefunden, obwohl es meiner Meinung nach völlig übertrieben ist auf die Matratze eine Heizdecke, Matratzenschoner, Bettlacken, Betttuch, Bettdecke und noch eine Tagesdecke zu tun, um alles dann unter die Matratze zu stopfen, damit sich der Gast anschließend wie in einer Teigtasche noch nicht mal mehr zur Seite drehen kann und man eh alles wieder rauszerren muss. Naja mir solls egal sein.

Ich freue mich über die $16,25/h ~ 11€/h ($15,25/h sind Mindestlohn) + 8% Holidaypay – ungefähr 12% Steuer, die ich aber, sobald ich Neuseeland verlasse, theoretisch gesehen wiederbekommen sollte. Derzeit entspricht 1€ = 1,47 Neuseeländische Dollar. Die Preise hier haben es in sich und damit ihr mal eine Vorstellung bekommt, habe ich eine kleine Tabelle zusammengestellt (da ich ein Backpacker bin und sparen muss, beziehen sich die Preise immer auf das Produkt, was am günstigsten ist…hauseigene Marke, blabla):

 

Preis in NZD Preis in Euro
1 Liter Sprudelwasser 1,65 1,12
Bier (im Supermarkt!!!!) Ab 3,20 2,17
Bier (im Pub) Ab 9 6,10
Billigste Flasche Wein Ab 7 4,74
Kaffee im Café Ab 4 2,70
Packung brotähnliches Etwas Ab 4 2,70
1 Liter Benzin 1,90 1,26

Gerade Luxusprodukte, wie Alkohol,Tabak (30g ab $42 aufwärts – Gott sei Dank bin ich Nichtraucher) sind hier außerordentlich teuer. Ich muss meine Kröten also gut zusammen halten. Zu unserem Glück haben die Eltern der Farmerin eine s.g. Beeffarm und unserer Tiefkühler ist gefüllt mit Fleisch (das ist hier nämlich besonders teuer). Apropos Farm…Eric arbeitet auf einer s.g. Dairy Farm, d.h. eine Kuhfarm nur zur Gewinnung von Milch (auf dieser Farm leben wir auch). Die Kühe werden nicht geschlachtet und sind außerdem sehr schlank. Die 1500 Rinder werden zweimal täglich gemolken und somit verlassen jeden Tag 37.000 Liter Milch die Farm, welche für $30.000 verkauft werden. Wenn die Kühe nicht grade auf den 400 Hektar Weideland rummümpeln, fahren sie eine Runde mit in der modernen, kreisförmigen Karussell-Melkanlage bzw. stehen an. Eine Kuh nach der anderen nimmt Platz in dem sich kontinuierlich, langsam drehenden Karussell (im Trog am Kopfende befindet sich Getreide und Molasse, auf die sich die Kuh schon freut), 4 Saugvorrichtungen werden angebracht und spätestens wenn eine Runde rum ist, ist das Euter alle und die Kuh steigt von alleine wieder aus. Eric übernimmt verschiedene Jobs auf der Farm und kümmert sich nur gelegentlich um das s.g. Milking, aber Roy (unser israelischer Mitbewohner) macht das jeden Tag und hat des öfteren mal einen Scheißtag, wenn die Kuh erstmal loskackt wenn sie „angeschlossen“ wird (und bekanntermaßen ist Kuhkacke ja so gut wie immer flüssig). Naja man riecht also, wenn Roy das Haus betritt nach der Arbeit.

Auf der Farm arbeiten insgesamt 8 Leute und kümmern sich neben dem Melken um die 600 Kälber, das Einzäunen und die Bewässerung der Weiden, Reparaturarbeiten, Rasen mähen, Unkraut entfernen und und und. Roy’s Arbeitstag fängt um 4 Uhr an und endet 18 Uhr, mit grade mal 4 Stunden Pause. Die Jungs sind also platt nach der Arbeit und man versucht die freien Tage gut zu nutzen. So sind Roy und ich zusammen mit zwei israelischen Freunden von ihm zum Mount Cook gefahren und haben eine herrliche Wandertour entlang des Tasman Glaciers gemacht, um in der Ball Hut (Hütte) zu übernachten. Der Wanderweg führte über Gerölllawinen und war mit ein bisschen Kletterarbeit verbunden. Alles sehr spannend, aber auch nicht ganz ungefährlich. Als ich am nächsten Tag die Strecke alleine wieder zurück bin (da ich ab Mittag wieder arbeiten musste) war Obacht geboten keine Lawinen loszutreten.

Nach der Arbeit habe ich mich mit dem Auto auf einer self-contained Campsite am Lake Tekapo versteckt und dort übernachtet. Self-contained heißt übersetzt nichts anderes als eigenständig und bedeutet, dass ein Fahrzeug eine Wasserzufuhr, Toilette, etc. besitzen muss, um wild zu campen (wenn man als nicht self-contained erwischt wird gibt’s deftige Strafen von $200-$500). Am nächsten Tag ging es weiter nach Geraldine, wo ich drei Tage für die Eltern der Familie (bei welche ich als Housekeeper arbeite) geputzt habe. Mit dem älteren Päarchen habe ich mich so gut verstanden, dass sie mich direkt adoptiert haben und ich das neue Enkelkind bin. Da ich seit vielen Jahren keine Großeltern mehr habe, war dieses Oma Opa Erlebnis wirklich herzerwärmend. Wieder zurück in Omarama ging es weiter mit Arbeiten und diversen Ausflügen. Die Gegend hat trotz mangelnder Vegetation viel zu bieten (die wenigen Bäume, die es gibt sind meistens gepflanzt). Die teils noch schneebedeckten Berge und die Weitläufigkeit vom s.g. Mackenzie-Becken, mit seinen Gletscherseen und Lupinen-umringten Flussbecken fasziniert mich jeden Tag aufs Neue. Nun geht es Richtung Osten, um dann über den Süden entlang der Westküste Richtung Nordinsel zu fahren. Es wird also viel zu berichten geben!

Das wars erstmal an dieser Stelle. Wenn ihr noch mehr von meiner Reise sehen wollt folgt mir doch einfach bei Instagram (@gina_susan). Dort lade ich fast täglich Bilder und Videos hoch!

Ansonsten Ohren steif halten,

eure Gina.

 

Back to Travels

Hallo liebe Familie, Freunde und Bekannte,
mich hat das Fernweh wieder gepackt, ich befinde mich bereits (wiedermal) am anderen Ende der Welt und wie versprochen geht Weltluftschnuppern 2.0 ins Rennen. Doch lasst mich erst mal erläutern, was in der Zwischenzeit passiert ist:
Nachdem ich aus Australien Ende Januar 2016 wieder kam, habe ich 3,5 Monate Pflichtpraktikum in zwei verschiedenen Firmen absolviert. In der VON ARDENNE GmbH habe ich im Anschluss meine Bachelorarbeit zum Thema „Änderungsmanagement im Projektmanagement im Anlagenbau“ geschrieben und es folgten zwei Monate als Werksstudent. In insgesamt 6 Monaten konnte ich mich gut in der Firma integrieren und einiges bewirken, sodass mir meine Chefin angeboten hat, nach meiner Rückkehr wieder in der Firma anzufangen. In der letzten Arbeitswoche hatte ich die Verteidigung meiner Bachelorarbeit und kann mich nun offiziell als Wirtschaftsingenieur bezeichnen (Spezialisierung Maschinenbau und Energietechnik). Normalerweise würde man jetzt wahrscheinlich direkt mit dem Master weiter machen, doch seitdem ich denken kann, träume ich vom Backpackerdasein und Welterkunden. Welcher Zeitpunkt könnte also dafür besser sein, als zwischen Bachelor und Master, mit abgeschlossenem Grundstudium in der Tasche, sicherem Masterplatz (die TU Freiberg sichert diesen ihren erfolgreichen Bachelorstudenten zu) und Aussicht auf einen Job? Also möchte ich mir jetzt 1-3 Jahre Zeit lassen und die Welt erkunden. Wenn ich die Schnauze voll habe, kann ich ja jederzeit zurückkommen. Auf meiner Reise wird mich meine beste Freundin Linda aus Dresden begleiten. Doch leider hat sich ihr Abreisetermin ein bisschen nach hinten verschoben und sie wird erst Ende des Jahres dazu stoßen.

Für mich ging es am 11.11. auf den weiten Weg nach Christchurch in Neuseeland. Im März 2015 war ich schon einmal hier für 2 Wochen und habe mich absolut in dieses Land verliebt und jeder, der schon mal hier war weiß, dass 2 Wochen nicht mal ansatzweise reichen, um das Facettenreichtum der beiden Inseln zu erfassen. Der Flug ging insgesamt 48 Stunden und hat mich 660€ gekostet one way (so ist das halt, wenn man den billigsten Flug nimmt). Ich bin von Dresden aus über Frankfurt, Taipeh und Sydney nach Christchurch geflogen. In Taipeh hatte ich 17 Stunden Aufenthalt und hab mir die Stadt angesehen. Jedoch muss ich sagen, dass mir Taipeh nicht wirklich gefallen hat. Die Stadt ist sehr dreckig und runtergekommen, es stinkt und die Gebäude sind nur mäßig interessant. Nichtsdestotrotz sind die Taiwanesen sehr freundlich und können deinem Gaumen neue Welten eröffnen.

Am 13.11. bin ich dann nun endlich in Christchurch angekommen und habe zwei Nächte im Backpacker-Hostel verbracht. Wie ihr sicherlich über die Medien erfahrt habt, war meine Nacht außerordentlich aufregend. Meine zwei Zimmergenossinnen (Schlafsaal) und ich wurden gegen halb eins geweckt, weil das ganze Haus auf einmal wackelte und draußen alle Autosirenen losgingen. Es hat eine Weile gedauert, bis wir realisiert hatten, dass es sich um ein Erdbeben handelte und da es für uns alle das erste Mal war, wussten wir auch nicht wirklich, was wir tun sollten, außer abwarten. Nach ca. 3-4 Minuten war der Spuk vorbei und uns ist nichts weiter passiert. Christchurch generell blieb weitestgehend verschont, da das Epizentrum 90 km über der Stadt lag. Die Nachbeben dauerten bis zum nächsten Abend an. Auf jeden Fall eine aufregende erste Nacht von meinem großen Abenteuer. Am folgenden Tag habe ich die Zeit genutzt und ein Bankkonto eröffnet (braucht man, wenn man hier arbeiten will), mir eine Steuernummer besorgt (sogenannte IRD) und mir eine Simkarte für Neuseeland zugelegt. Ich bin also einmal durch die ganze Stadt gerannt, welche mit seinen fast 400.000 Einwohnern die zweitgrößte Neuseelands ist (nach Auckland). Die Auswirkungen des verheerenden Erdbebens von 2011 sind immer noch zu sehen und viele Gebäude sind entweder nach wie vor zerstört oder durch moderne Gebäude ersetzt wurden.
Ein Tag später ging es dann mit dem Bus nach Timaru, wo Eric, ein guter Freund aus Dresden, mich mit unserem neuen, ausgebauten Mitsubishi Chariot abgeholt hat.

Gemeinsam sind wir dann nach Wanaka gefahren, wo wir die zwei Tage über meinen Geburtstag verbracht haben. Dort haben wir Marc, einen französischen Freund und seine zwei Kumpels Ronan und Nico (auch aus Frankreich) getroffen. Beide Nächte haben wir auf einem regelrechten Zigeunergrundstück verbracht:

Tagsüber ging es mit den Jungs klettern und wandern bei herrlichem Wetter. Die Temperaturen hier sind noch sehr wechselhaft und das Frühlingswetter beschert einem tagsüber schöne warme Sonnenstunden bis zu 20°, doch nachts kann es draußen noch recht kalt werden. Am Abend wurde dann auf dem besagten Grundstück im Hippibus, wie in dem Film „Into the wild“, in meinen Geburtstag reingefeiert. Am 17. selber ging es nach einem kräftigen Sushifrühstück ins Puzzling World – eine Illusionswelt voll mit optischen Täuschungen in Wanaka (kann ich wärmsten Herzens empfehlen – ein riesen Spaß!).

Am Abend sind wir dann nach Omarama gefahren, wo Eric auf einer Rinder-/Milchfarm arbeitet (1500 Rinder) und zusammen mit dem Israeli Roy und der Neuseeländerin Nicole in einem kleinen Haus lebt. Dort werde ich nun auch für die kommenden Wochen unterkommen und im nahegelegenen Twizel als s.g. Housekeeper bei einer Familie arbeiten (d.h. mit im Haushalt helfen, kochen, Gartenarbeit, putzen, etc.).  Auf der Farm kann ich kostenlos leben und werde immer mal mit helfen, falls Not am Mann ist. Omarama ist mit seinen 200 Einwohnern ein winziges Dorf, wo echt der Hund begraben ist. Allerdings wird das durch den Anblick der mit Schnee bedeckten Berge und der wunderschönen Natur kompensiert. Außerdem haben wir viel Spaß beim gemeinsamen kochen und spielen mit Roasty unserem Hauslamm, welches sehr kuschel bedürftig ist. Das war’s erstmal von mir und ich werde mich in ein paar Wochen wieder bei euch melden. Bis dahin – haltet die Ohren steif!

Beste Grüße,

Gina

 

Back at home

ICH BIN WIEDER DA!!!!

Hallo mein Lieben, seit vorletztem Donnerstag bin ich wieder in Dresden und komme nun endlich dazu meinen (vorerst) letzten Blogeintrag zu schreiben. Ich habe die restliche Zeit in Melbourne intensiv genutzt, um nochmal so viel wie möglich zu erleben. Ich habe mir verschiedene Museen angesehen, habe Strände erkundet, es gab Picknicks im botanischen Garten, ich hatte nochmal etliche Shootings und vieles mehr. Mit Matt zusammen war ich auf der Great Ocean Road und es war einfach nur wunderschön. Die 243 km lange Straße geht entlang von dramatischen Steilküsten, Felsformationen im Wasser, durch einen regelrechten Dschungel, bis hin zu wunderschönen weißen Sandstränden. Wir hatten totales Glück mit dem Wetter und am heißesten Tag ging es für uns nach Torquay, wo wir an einem Surfcourse teilgenommen haben.

Great Ocean Road

Great Ocean Road

Wir vor der London Bridge

Wir vor der London Bridge

Great Ocean Road

Great Ocean Road

The 12 Apostles, von denen aber nur noch einige wenige übrig sind

The 12 Apostles, von denen aber nur noch einige wenige übrig sind.

Die Great Ocean Road führt durch den Otway National Park, dort haben wir den "Maits-Rest"-Walk gemacht. Es ging durch einen Dschungel aus Baumfarnen und riesen Bäumen

Die Great Ocean Road führt durch den Otway National Park, dort haben wir den „Maits-Rest“-Walk gemacht. Es ging durch einen Dschungel aus Baumfarnen und riesen Bäumen. Hier seht ihr einen Baum der irgendwie aus drei Bäumen besteht und ihr seht ja, dass Matt noch unter den Wurzeln steht.

Great Ocean Road

Great Ocean Road

Völlig unerwartet haben wir diesen Steinmännchen Strand gefunden

Völlig unerwartet haben wir diesen Steinmännchen-Strand gefunden

Wir haben wilde Koalas gesehen, nur wenige Meter von uns entfernt hingen 5 von den kleinen Rackern in den Bäumen

Wir haben wilde Koalas gesehen. Nur wenige Meter von uns entfernt hingen 5 von den kleinen Rackern in den Bäumen.

Ich hatte ja gehofft, dass ich auf dem Trip auch mal Kängurus sehe, aber leider gab es nur tote Wallabees im Straßengraben :'(. Naja dafür haben wir aber Koalas gesehen und da es das erste Mal für mich war, habe ich mich darüber natürlich unheimlich gefreut. Ich möchte also jedem ans Herz legen…wenn ihr in Victoria seid, macht unbedingt die Great Ocean Road, die Natur ist der Wahnsinn.

In Melbourne hatte ich dann noch ein Shooting mit einem befreundeten Fotografen aus Dresden, Tobias Ritz. Wir sind in den botanischen Garten und haben dort, zusammen mit der Hilfe seiner Freundin ein Fashion Editorial geschossen.

Hier ein kleiner Vorgeschmack (ist nur vom Kamerabildschirm abfotografiert)

Hier ein kleiner Vorgeschmack (ist nur vom Kamerabildschirm abfotografiert)

Einen Tag später durfte ich dann noch mit dem sehr begabten Niv Novak aus Melbourne arbeiten und wir haben natürliche Portraits für seine Ausstellung fotografiert.

Hier ein erstes Ergebnis von dem großen Kampagnen-Shooting für Godwin Charlie, welches ich im Dezember hatte

Hier ein erstes Ergebnis von dem großen Kampagnen-Shooting für Godwin Charlie, welches im Dezember stattfand. Schaut doch einfach mal rein: http://godwincharli.com

Naja neben verschiedenen Modeljobs, hieß es auch nochmal Flyer verteilen auf einer Hochzeitsmesse im wunderschönen Royal Exhibition Building in den Carlton Gardens. Ich habe dort Werbung für einen Zahnarzt zum Bleeching gemacht. Das war natürlich nicht ganz schlecht, ein ganzes Wochenende Hochzeitskleider ansehen und ich habe auch zum ersten Mal eine Modenschau vom Publikum aus gesehen. 

An einem anderen Abend bin ich mit Matts Cousine zum Moonlight Cinema gegangen. Mitten im botanischen Garten steht für einige Monate (ähnlich wie die Filmnächte in Dresden) eine aufblasbare Leinwand und Sitzsäcke werden für die Zuschauer bereitgestellt. Jeder bringt sich sein Picknick mit und vor der Kulisse der Stadt werden die aktuellen Kinofilme gezeigt. Gigantische Fledermäuse fliegen aus den Park und die Atmosphäre unter den Sternen ist einfach nur perfekt.

Auf dem Heimweg vom Moonlight Cinema stand auf einmal dieses süße Possum neben mir...mitten im Stadtzentrum

Auf dem Heimweg vom Moonlight Cinema stand auf einmal dieses süße Possum neben mir…mitten im Stadtzentrum

Am vorletzten Abend bin ich mit meiner Freundin aus Arizona, ihrer Schwester und dem Schwager in den Rialto Tower in die Lui Bar gegangen, um mir nochmal einen Überblick über Melbourne zu verschaffen. Dort haben wir es uns dann bei Cocktails gut gehen lassen und anschließend sind Jess und ich in den Spice Market Club gegangen und haben uns die Seele aus dem Leib getanzt.

Hier war ich mit Jess, ihrer Schwester und ihrem Schwager in der Uli Bar im Rialto Tower (sehr empfehlenswert). Mit Blick über ganz Melbourne kann man es sich da oben bei Cocktails gut gehen lassen

An einem Tag habe ich dann noch eine Bootstour über den Fluss bis in die riesige Bucht vor Melbourne nach Williamstown gemacht. Das ist ein wunderschöner Ausflug und Williamstown ist wirklich sehenswert. Ich bin ewig am Strand langgelaufen und konnte Melbourne mal vom Weiten sehen.

überall in Melbourne gibt es Parks. Fast jedes Viertel bzw. jeder Bezirk hat seinen eigenen Park und diese sind immer sehr gepflegt. Das hier ist der botanische Garten in Williamstown.

überall in Melbourne gibt es Parks. Fast jedes Viertel bzw. jeder Bezirk hat seinen eigenen Park und diese sind immer sehr gepflegt. Das hier ist der botanische Garten in Williamstown.

Lecker Brunchen mit Jess und ja das ist australischer Standard. Es wird mir fehlen

Lecker Brunchen mit Jess und ja das ist australischer Standard. Es wird mir fehlen

Hier war ich zum Night Market des Queen Victoria Markets. Es gab Speisen aus allen Ländern und Live-Musik. Fast ein bisschen wie BRN.

Hier war ich zum Night Market des Queen Victoria Markets. Es gab Speisen aus allen Ländern und Live-Musik. Fast ein bisschen wie die BRN.

Picknick im botanischen Garten (der im Übrigen 5 Minuten von meiner Wohnung entfernt ist) mit den weltberühmten australischen TimTams yomyomyom

Picknick im botanischen Garten (der im Übrigen 5 Minuten von meiner Wohnung entfernt ist) mit den weltberühmten australischen TimTams yomyomyom

Im hauseigenen Pool chillt es sich halt doch am besten. Vor allem wenn noch Freunde da sind und man es sich mit Wider gut gehen lassen kann.

Im hauseigenen Pool chillt es sich halt doch am besten. Vor allem wenn noch Freunde da sind und man es sich mit Cider gut gehen lassen kann.

Kommen wir nun zu einem kleinen Fazit: Ich bin sooooo froh, dass ich es gemacht habe und diese Erfahrung sammeln konnte. Melbourne ist eine Stadt, in die man sich nur verlieben kann, es ist immer irgendwo was los, die Stadt selber ist wunderschön und die Menschen sind auch sehr freundlich. Ich dachte mir, ich stelle mal einen kleinen Vergleich zwischen Melbourne und Deutschland (Dresden) auf. Dabei geht es mir jetzt nicht um das, was alle wissen (mehr Einwohner blablabla), sondern eher um Verhaltensweisen oder Dinge die einfach anders ablaufen.

  • wie bereits gesagt die Menschen sind sehr freundlich und es ist völlig normal, wenn die Kassiererin dich fragt, ob du einen guten Tag hattest. Gefühlt jede Konversation fängt mit „Hey, how are you?“ an. Man gewöhnt sich recht schnell daran, allerdings ging mir dieser oberflächliche Smalltalk manchmal auf den Sack. Grade wenn man es eilig hat!
  • die Café und Restaurant Kultur! Die hipsten Cafés sind in den verwinkelsten Gassen und selbst in der allerletzten Spelunke kriegst du einen Kaffee der besser schmeck als bei Starbucks. By the way: in Melbourne mussten 8 Starbucks zumachen, da der Kaffee überall so gut ist. Melbourne = Australiens Kaffeemetropole
  • es ist teuer…verdammt teuer. Allerdings verdient man auch viel mehr. Die Miete, die ich pro Woche bezahlt habe, bezahle ich hier in Dresden im Monat. Eine Monatskarte kostet 130$ usw. … kein Kommentar.
  • man kann keinen Alkohol auf offener Straße trinken, das wird direkt auf die Contra-Australien-Liste geschrieben. Wir mussten uns dann in einer Gasse verstecken, um unsere letzten Cidres auszutrinken….so ein Blödsinn. Als es dann nachts mit dem Taxi (direkt nächster Minuspunkt, ab um eins fahren so gut wie keine öffentliche Verkehrsmittel mehr…Hallo??????) wieder nach Hause ging, hat die Polizei eine Straße komplett abgesperrt und jeder der vorbei wollte musste pusten. Naja so kann man auch Stau erzeugen…
  • weil ich grade vom Nachtleben spreche: Wenn ein Club schließt und sie die letzten Gäste rausschmeißen müssen, bekommt jeder eine Wasserflasche und das ist normal. Finde ich top!
  • Sportevents werden total gehypt und dafür gibts auch schon mal einen Tag frei.
  • Die Leute sind auch extrem entspannt, auch auf Arbeit. Bei diesem Punkt weiß ich nicht, ob es pro Australien ist oder contra. Klar ist es schön wenn man mit jedem Kollegen ein entspanntes Gespräch auf Arbeit führen kann. Aber wirklich effizient ist das nicht. Nur mal so als Beispiel: Ich hatte ein Shooting, was für 3 Stunden angesetzt war und nach einer Stunde haben wir erstmal Kaffeepause über eine halbe Stunde gemacht.
  • CONTRA: die gottverdammten Fliegen!!!! Es gibt so viele Fliegen dort (und in der Stadt geht das noch) und die fliegen dir permanent in die Ohren, Nasenlöcher oder Mund. Die Miestfiecher gab es sogar in der Straßenbahn. Unglaublich!!!!
  • Der Multikulti dort, klar es ist eine Metropole und in Metropolen ist es wahrscheinlich immer so. Aber für mich war es neu, mit Menschen aus allen Nationen zusammen zu leben.
  • Die Hitze. Im Sommer werden es gut und gerne mal 45° und aus diesem Grund ist auch so gut wie jedes Haus mit einer Klimaanlage ausgestattet. Man gewöhnt sich relativ schnell an die Wärme, aber aufgrund des Ozonloches kann man das Haus ohne Sonnencreme nicht verlassen. Gott sei Dank ist es in Melbourne recht windig (empfand ich zumindestens so). Allerdings ist das Wetter in dort sehr wechselhaft und wird gerne mit „four seasons in a day“ (Vier Jahreszeiten an einem Tag) beschrieben.

Und hier mal noch ein paar Eindrücke von der Stadt:

The Shrine of Remembrance - eines der größten Kriegsdenkmäler in Australien, welches ich von meinem Zimmer aus sehen kann.

The Shrine of Remembrance – eines der größten Kriegsdenkmäler in Australien, welches ich von meinem Zimmer aus sehen konnte.

Der Blick von der Shrine of Remembrance

Der Blick von der Shrine of Remembrance

Blick vom Boot aus Richtung Stadtzentrum

Blick vom Boot aus Richtung Stadtzentrum

Der Eingang zu meinem Haus. War ein bisschen, wie in einem Hotel zugegebenermaßen

Der Eingang zu meinem Haus. War ein bisschen, wie in einem Hotel zugegebenermaßen

Zu guter Letzt möchte ich euch noch einen kleinen Ausblick geben. Ich bin seit Montag in meinem Praktikum und werde dieses in den kommenden 13 Wochen absolvieren. Anschließend schreibe ich noch meine Bachelorarbeit in dem Unternehmen und beende endlich mein Studium (naja gut den Bachelor). Danach geht es wieder los in die weite Welt und ich werden meinen Blog weiterführen. Bis dahin wünsche ich euch eine wundervolle Zeit. Ich hoffe es geht euch allen gut und sende euch viele liebe Grüße.

CHEERS!!! Eure Gina