Sulawesi und das Leben mit dem Tod

Oh Indonesien, wieso bist du nur so groß und so wunderschön? Es gab noch so viele Inseln zu sehen und wir hatten nur einen Monat Zeit (doofes 30-Tage-Visum)…viel zu wenig! Nachdem wir aus Singapur wiederkamen und ein zwei Tage in Jakarta verbracht hatten, ging es weiter nach Makassar, der Hauptstadt Sulawesis. Wir hörten großartige Dinge über Sulawesi und wussten, dass wir eigentlich den ganzen Monat für die 11-größte Insel der Welt bräuchten, doch leider hatten wir gerade mal eine Woche.

Sulawesi wird im nördlichen Teil vom Äquator durchschnitten, was für das zentrale Bergland starke Niederschläge das ganze Jahr über bedeutet. Die Folge ist eine üppige Vegetation mit dichtem Regen- und Hochnebelwald, in dem vereinzelt indigene Gruppen leben mit teilweise gruseligen Traditionen, dazu aber gleich mehr. Die Insel war angeblich schon vor 100.000 Jahren bevölkert und ist eine archäologische Schatztruhe. Nach fast 300 Jahren unter niederländischer Führung, im Jahre 1949, nach der indonesischen nationalen Revolution, wurde Sulawesi Teil der unabhängigen Vereinigten Staaten von Indonesien, die sich im Jahr 1950 in die Republik Indonesien umwandelte.

Schon als wir am Flughafen ankamen wurde klar, dass es hier so gut wie keine Touristen gibt. Alles schaute uns verdutzt an und das Staunen war groß. Den ersten Tag verbrachten wir in der Hauptstadt selber, die allerdings nicht so viel zu bieten hat. Ich hatte die Instagramseite @explore_makassar angeschrieben und lustigerweise wollten die Admins uns am nächsten Tag mit auf eine Entdeckertour nehmen. Wir waren natürlich hellauf begeistert und wurden so in den frühen Morgenstunden abgeholt und fuhren zusammen mit Ai nach Rammang-Rammang. Wir hatten eigentlich keinen blassen Schimmer, was zu erwarten war, nur ein Bild von verrückt aussehenden Felsen machte uns auf die Gegend aufmerksam. Als wir zum Sonnenaufgang ankamen, wartete schon ein kleines Holzboot auf uns und sollte uns eine der schönsten Flussfahrten aller Zeiten bescheren.

Wieder zurück in Makassar ging es mit dem Nachtbus Richtung Norden nach Zentral Sulawesi.

Dort haben wir uns eine Gegend namens Tana Toraja angesehen, ein ganz ganz ganz besonderer Ort!!!! Jeder kennt den Totenkult aus Mexiko, aber niemand weiß, dass noch viel verrücktere Dinge auf dieser Insel in Indonesien passieren. Ein Bild von merkwürdig aussehenden Häusern hat mich auf die Gegend aufmerksam gemacht und nach einer kurzen Recherche stellte sich heraus, dass die Torajans eine ganz besondere Kultur leben.

Denn hier lebt man mit den Toten und nein das ist nicht metaphorisch gemeint. Zwischen Tod und Beerdigung vergehen Wochen, Monate, nicht selten sogar Jahre und bis dahin bleibt der Verstorbene im Haus bei seiner Familie. Aluk Todolo, eine anzestrale animistische Religion (d.h. es wird an die Beseeltheit von Menschen, Tieren und Pflanzen geglaubt und ein Ahnenkult gepflegt) ist der Ursprung des Totenkultes in Toraja. Doch im Gegensatz zum Animismus gibt es nicht nur viele verschiedene Götter, sondern auch einen Super-Gott. Mit der Missionierung durch die Europäer im späten 19. Jahrhundert verbreitete sich zwar das Christentum auf Sulawesi, doch die Kultur der Torajans blieb erhalten. In ihrem Glauben kann ein Toter nur durch eine aufwendige Riesen-Beerdigung das Jenseits erreichen und nur, wenn der Tote auch zufrieden mit seiner Beerdigung ist, wird die Familie mit Glück gesegnet. Je höher der soziale Status der Familie ist und je älter die Familie, desto aufwendiger muss das Fest werden und desto länger dauern die Vorbereitungen und das Zusammentragen des benötigten Geldes. Doch was genau passiert mit dem Leichnamen? Sobald ein Angehöriger stirbt wird ein Arzt gerufen, um das Todeszeugnis auszustellen und die benötigte Menge der Chemikalie Formalien zu ermitteln. Formalin ist ein Fixierungsmittel, um den Verwesungsprozesse zu stoppen (das Zeug, was auch zum Konservieren von biologischen Präparaten verwendet wird). Dieses wird so bald wie möglich nach dem Tod an jeder Stelle des Körpers injiziert, um den Leichnamen zu mumifizieren. Je nach Umständen wird der konservierte Leichnamen weiterhin wie ein Lebender behandelt (d.h. er sitzt mit im Wohnzimmer, ihm wird Essen und Trinken gebracht, etc.) oder er „schläft“ in einer Art Sarg, welcher im Haus aufbewahrt wird. Torajans glauben, dass bevor die eigentliche Beerdigung stattfindet, die Seele des Verstorbenen noch im Haus ist und er nur krank ist bzw. schläft.

Direkt an unserem ersten Tag in Rantepao (dem Zentrum von Tana Toraja) hatte ich die Ehre an einer Beerdigung teilzunehmen. Wenn Bules aka Touristen bei einem solchen Fest erscheinen, repräsentiert das den Status der Familie und ist somit gern gesehen. Unser Guide Nathan erklärte, dass wir Geschenke mitbringen müssen, wenn wir zu der Beerdigung gehen möchten. Also haben wir eine Stange Zigaretten und 2 Kilo Zucker auf seine Empfehlung hin gekauft. Wir kamen an dem Festplatz an und haben als erstes die Familie der Angehörigen begrüßt und unsere Geschenke als Zeichen des Respekts überreicht.

Ich war total beeindruckt und fasziniert von diesem Event. Eine ganze Woche geht das Spektakel. Eine Woche lang wird das ganze Dorf versorgt, gefeiert und dem Verstorbenen somit Respekt gezollt. Wie ihr euch vorstellen könnt kostet so eine Festwoche Unsummen. Laut unserem Guide muss man mit 2-3 Billionen Rupiah ~ 125.000 – 190.000€ rechnen. Collage-Fonds werden aufgelöst und Kredite aufgenommen. Gerade die jungen Torajans empfinden diese Tradition als ziemliche Bürde, denn jeder Cent wird nur für Beerdigungen ausgegeben. Es ist die wichtigste Veranstaltung. „You can miss a wedding, but you can’t miss a funeral“ hat unser Guide gesagt.

Das mit den Beerdigungen ist ja schon verrückt genug, aber die Torajans legen tatsächlich noch eine Schippe drauf. Nach diesem äußerst pompösen Fest wird der Verstorbene nicht unter der Erde beerdigt, sondern kommt entweder in eine Art Totenhaus (jede Familie hat eins) oder kommt in ein, in Stein eingemeißeltes Grab.

Und da war die Woche auch schon rum. Wirklich viel zu kurz für Sulawesi. Diese Insel ist ein Traum und wie hoffentlich deutlich wurde, unendlich interessant. Und mal abgesehen davon, dass dieser Totenkult nicht nur faszinierend, sondern auch ein wenig gruselig ist, fanden wir die grundsätzliche Einstellung zum Tod sehr erfrischend. Denn hier ist der Tod Nichts, was tabuisiert wird, wie im Rest der Welt, sondern ein wichtiger Bestandteil, wenn nicht sogar der Höhepunkt des Lebens.

Sulawesi und der Totenkult der Torajans ist, bis dato, für mich das einzig-artigste Erlebnis gewesen auf meiner ganzen Reise, denn soetwas findet man nirgendwo anders auf der Welt und nur wenige wissen darüber Bescheid. Verratet es also nicht zu vielen und lasst diesen ganz besonderen Ort unser kleines Geheimnis bleiben 😉

Bis zum nächsten Mal,

eure Gina

 

 

Java und ein kleiner Ausflug nach Singapur

Java – das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum Indonesiens.

Und wie immer erst eine kleine Einführung bevor ich mit den Reisegeschichten anfange: Mit rund 139.000 km² ist die Insel, direkt links neben Bali, vergleichbar mit der Größe Englands. 56,7% der Bevölkerung Indonesiens leben auf Java, insgesamt 145 Millionen Menschen, das sind mehr als auf jeder anderen Insel dieser Welt. Das liegt vor allem an der Landwirtschaft geprägten Bevölkerung, die den nährstoffreichen Boden in diesen Regionen zu schätzen weiß. Aber auch durch die Entwicklung des Tourismus konnte Java, wie auch Bali einen großen Bevölkerungszuwachs verzeichnen. Mehr als 90% der Javaner gehören dem Islam an, denn im 15. Jahrhundert kamen muslimische Händler nach Indonesien und haben weite Teile des Landes konvertiert. Gleichzeitig mit der Durchsetzung der Kolonialherrschaft der Niederlande breitete sich auch der Islam auf Java aus. Popularität gewann er vor allem, weil er von vielen Einheimischen als Gegengewicht zur Kultur der Europäer verstanden wurde (auf der anderen Seite unternahmen die Niederländer kaum christliche Missionierungsversuche). Soviel erst einmal ganz allgemein zu Java.

Dieses Mal ging es für uns mit dem Zug quer über die Insel, denn Java besitzt ein sehr gut ausgebautes Liniennetz und die Tickets sind unfassbar günstig (z.B. 8 Stunden Zugfahrt ab 4€). Mal abgesehen davon sieht man so etwas von der Landschaft, kann entspannen oder effizient die Zeit nutzen zum Schreiben. Insgesamt 3 mal saßen wir 8-10 Stunden im Zug und sind von Banyuwangi ganz im Osten nach Malang, von dort weiter nach Yogyakarta und zum Schluss ganz in den Westen nach Jakarta.

In der Nacht auf den 13. November (ja ich weiß, das ist schon ewig her) sind wir mit unseren indonesischen Freunden Adit, Iqbal und Agni von Bali nach Java gefahren, um beim Sonnenaufgang auf dem Mount Ijen zu stehen (die Fährfahrt zwischen den Inseln dauert gerade mal 30 Minuten).

Weiter ging es mit dem Zug Richtung Westen in die Studentenstadt Malang. Diese Stadt hat uns ganz besonders gut gefallen. Sie ist nicht so verwestlicht wie Bali, wenn man aber ein hippes Café sucht, findet man auch eins, es gibt keine Touristen, viele junge Menschen, es ist immer etwas los und die Stadt ist authentisch asiatisch.

Weiter ging es nach Yogyakarta, das Kulturzentrum Javas. Jeder schwärmte von Yoyakarta, doch uns hatte es eindeutig besser in Malang gefallen. Die zwei berühmten Tempel Prambanan und Borobodur haben wir uns nicht angesehen, zum einen wegen des schlechten Wetters und zum anderen, weil der Eintritt unverschämt teuer ist. Trotzdem sind wir viel durch die Stadt geschlendert oder mit dem Roller durch die umliegende Gegend gedüst.

Bei der Einreise nach Indonesien hatten wir $35 extra gezahlt, um das Touristenvisum nach 30 Tagen zu verlängern. Dafür muss man 3 mal zur Immigration rennen und glaubt mir Behördengänge in Indonesien sind mit Sicherheit nicht weniger nervenaufreibend als in Deutschland. Außerdem muss man dort auch nochmal extra zahlen und in vorgegebenen Tagesrhythmus bei der Immigration auftauchen. Mühselig und in jedem Falle entspannter einfach einmal auszufliegen und wieder rein (nur so als Tipp, falls ihr mal vorhabt länger als 30 Tage nach Indonesien zu fliegen). Nach den 60 Tagen mussten wir also kurz raus aus dem Land und wieder einfliegen, denn wir hatten noch lange nicht genug von Indonesien. Es ging nach Singapur, einfach, weil es am günstigsten und am nächsten war. Wir flogen also am 28. November abends in den Stadtstaat und kamen gegen 1 Uhr nachts an. Wir entschieden uns die paar wenigen Stunden, die von der Nacht übrig blieben am Flughafen zu verbringen. Hinter einem Spielland hatten wir uns, von Kopf bis Fuß unter unseren Decken versteckt, schlafen gelegt, als uns einige Stunden später die Flughafenpolizei weckte und ganz verblüfft war, dass unter den Decken zwei junge Frauen steckten und keine Obdachlosen. Nach kurzer Passkontrolle und ein paar umgarnenden Worten ließen uns die Männer weiterschlafen.

Einen ganzen Tag hatten wir, um die Stadt zu erkunden, bevor zeitig am nächsten morgen der Flieger zurück nach Jakarta gehen sollte. Schon am Flughafen wurde deutlich, dass hier vieles so ganz anders ist als in Indonesien. Allem voran…die Menschen sind echt unfreundlich! Keiner sagt Guten Tag, niemand lächelt zurück, alles muss schnell schnell gehen und auf kleine Späßchen wird sowieso nicht eingegangen. Naja gut, wahrscheinlich ist der Unterschied zu Deutschland garnicht so groß und ich bin einfach nur verwöhnt von der Freundlichkeit der Menschen in Neuseeland, Fidschi, den Philippinen und Indonesien. Menschen, die auf Inseln leben sind irgendwie immer freundlicher, zumindest habe ich diese Erfahrung gemacht. Naja zurück zu Singapur…

Im Anschluss ging es noch feiern, denn Ladys haben Mittwochs freien Eintritt in jeden Club der Stadt. Drei Stunden konnten wir noch am Flughafen schlafen, bevor es wieder nach Jakarta ging. Es war halt nur ein ganz kurzer Ausflug in ein anderes Land (für mich im übrigen Nummer 26). Singapur ist wirklich eine beeindruckende Stadt, aber, wie vielleicht deutlich wurde, nicht ganz so mein Ding. Dieses super moderne, futuristische und geschäftige ist mir irgendwie zu unauthentisch, vor allem, wenn man in Asien ist. Es war eine nette Erfrischung, aber wir haben uns echt gefreut wieder zurück nach Indonesien zu kommen mit seinen dreckigen Straßen, Chaos, aber die liebenswürdigsten Menschen, die man sich vorstellen kann.

Das war Java. Natürlich gibt es noch viel mehr auf der Insel zu entdecken. Das nächste Mal würde ich sicherlich Mount Semeru und Mount Raung besteigen und nach den Nashörnern im Ujung Kulon Nationalpark suchen, welcher bis dahin hoffentlich für die Öffentlichkeit wieder zugänglich ist. Aber im Großen und Ganzen haben wir die Highlights gesehen und ich würde jedem empfehlen gerade Eastjava zu bereisen, das lässt sich auch gut mit einem Bali-Urlaub kombinieren. Klar der Muezzin-Ruf früh morgens 4:30 Uhr ist gewöhnungsbedürftig, ebenso wie der Müll überall, aber ansonsten ist Java eine wunderschöne und einfach zu bereisende Insel. Kaum Touristen, freundliche Menschen, leckeres Essen und ein friedliches Zusammenleben. Wir kommen gerne wieder 🙂

Als nächstes wollten wir eigentlich nach Kalimantan/Borneo, doch die Insel ist riesig, es ist schwer von A nach B zu kommen und alles ist teurer. Wir haben uns entschieden diese Insel zu skippen und fliegen direkt nach Sulawesi. Von dort aus soll es weiter nach Flores, Lombok und wieder zurück nach Bali gehen. Darüber werde ich aber im nächsten Eintrag berichten.

Bis dahin, haltet die Ohren steif,

eure Gina.

5 Wochen auf der Insel der Götter – Bali

Grüne Reisterrassen, brodelnde Vulkane, weiße Sandstrände und ein Tempel nach dem anderen.

WILLKOMMEN AUF BALI.

Nicht ohne Grund ist die Insel im Herzen Indonesiens eine der beliebtesten Reisedestinationen. Schon vor 6 Jahren, bei meinem ersten Besuch, habe ich mich total verliebt und wusste, dass ich unbedingt wieder kommen muss. Mit 5.780 km² ist die Insel fast genauso groß wie Holland und hat aber mit 730 Einwohnern pro km² deutlich mehr als der deutsche Durchschnitt von 231/km². Insgesamt wohnen ungefähr 4,5 Millionen Menschen auf Bali, wovon mehr als 90% Hindus sind.

Und weil es in Indonesien so eine große Rolle spielt, hier nochmal ein Ausflug in die Religion:

Indonesien ist eines der wenigen Länder, in dem mehr als sechs verschiedene Religionen zum größten Teil friedlich zusammen leben. Die Pancasila (fünf Grundsätze der nationalen Verfassung der Republik Indonesien) wurde gleich nach der Unabhängigkeit Indonesiens aufgestellt. Sie besagt, dass jeder Indonesier einer Religion angehören muss, welche nur an einen Gott glaubt. Demnach muss jeder Indonesier eine Religion in seinem Pass eintragen lassen. Die Hauptreligion in Indonesien ist der Islam. Fast 90 Prozent der Indonesier sind Muslime, zudem ist das Land die größte islamische Nation der Welt. Trotzdem ist der Islam nicht die vorgeschriebene Staatsreligion.

Der Hinduismus dominiert als Religion nur auf Bali und ist sonst nur sehr vereinzelt vorzufinden. Der balinesische Hinduismus beschäftigt sich vor allem mit den Beziehungen zwischen Mensch und Gott, Mensch und Mensch und der Beziehung zwischen der Natur und Mensch. Das wird deutlich in den täglichen Opfergaben und den unzähligen Zeremonien.

Wen es interessiert hier noch ein Video vom traditionellen Balinesischen Tanz: https://www.youtube.com/watch?v=WG9GZIOAftI

Und nicht zu vergessen die wunderschöne Bali Musik, die ich den ganzen Tag hören könnte: https://www.youtube.com/watch?v=HGpI5718rp4

So nun aber genug zu Tempeln und Kultur. Die erste 5 Tage, bevor Karla auf Bali ankam, habe ich bei Cece aus Sulawesi (ebenfalls eine Insel in Indonesien) übernachtet. Ich hatte ihr einen Tag vorher in dem Portal https://www.couchsurfing.com/ geschrieben (ein Netzwerk für Reisende, in dem man kostenlose Schlafmöglichkeiten finden kann, seine eigene Couch anderen anbietet oder einfach nur neue Menschen kennenlernt) und sie hatte prompt zugesagt. Wir haben uns so gut verstanden, dass wir über eine Woche bei ihr wohnen durften.

Über sie bzw. ihrem Vermieter haben wir ein Zimmer im Haus einer Priesterin für zwei Wochen mieten können, für gerade mal 46€/Person. Natürlich viel günstiger als jedes Hotel oder Hostel. Apropos Geld…in Indonesien wird mit Rupiah bezahlt, so ziemlich die schlechteste Währung die man sich vorstellen kann, denn 1€ ~ 16.000 Rupiah.

Doch was wäre die Zeit in Bali gewesen ohne unsere Instagramfamilie? Ich weiß das mag für viele befremdlich klingen und glaubt mir ich war auch sehr lange absoluter Instagramgegener, bis ich gemerkt habe, dass man sich damit Reisen ja erleichtern kann. Indem ich die Leute wissen lasse, wo es als nächstes hingeht oder auch Fragen an das soziale Netzwerk loswerde, bekomme ich fast täglich Empfehlungen, Geheimtipps von Einheimischen oder die Leute wollen uns gerne kennenlernen und ihre Heimat zeigen. Als es für mich nach Bali ging, habe ich Gust Indra, einen passionierten Landschaftsfotografen aus Bali angeschrieben. Eigentlich wollte ich mich nur auf einen Kaffee treffen und ihn nach den schönsten Orten der Insel fragen. Doch er fragte gleich, ob ich nicht mit ihm und ein paar anderen Freunden Wasserfälle besuchen möchte. Ich dachte dieser Freundeskreis kenne sich noch aus Schulzeiten oder so, aber es stellte sich heraus, dass sie sich alle über Instagram kennengelernt haben. Die Leidenschaft für Natur, das Reisen und Fotografie hat sie zusammengebracht und so wurden auch Karla und ich in die Instagramfamilie integriert.

Philippinen: eine wunderschöne Herausforderung!

Nachdem ich mich schweren Herzens nach 10 Monaten von Neuseeland verabschiedet habe, ging es für 4 Wochen auf die Philippinen. Natürlich längst nicht genügend Zeit, um die 7107 Inseln (860 bewohnt), die den fünftgrößten Inselstaat ausmachen (nach Indonesien, Madagaskar, Papua-Neuguinea und Japan), zu besuchen. Rund 105 Millionen Menschen wohnen in dem demokratischen Land und es werden 171 Sprachen gesprochen, da jede Region ihre eigene Sprache oder ihren eigenen Dialekt hat. Grundlage für das Filipino, die Amtssprache, bildet das Tagalog, welches von den Tagalen, den Tieflandbewohnern der Hauptinsel Luzon gesprochen wird. Obwohl das Land flächenmäßig sogar etwas kleiner ist als Deutschland, erstreckt sich seine Fläche auf eine Länge von 1850km und eine Breite von 1127km (im Vergleich Deutschland L 876km B 640km), wobei sich 90% der Fläche auf elf Inseln verteilt: Hauptinsel Luzon, Mindoro, Palawan, Panay, Negros, Cebu, Bohol, Leyte, Samar und Mindanao. Das Klima ist weitestgehend tropisch und bei durchschnittlich 26,5° schwitzt man sich einen ab, auch wenn man in Regenzeit zwischen Mai und November den Archipel in Südostasien besucht. Diese Fakten sollten erst einmal für eine grobe Orientierung reichen.

Insel Luzon:                 2 Nächte Manila -> ✈

Insel Palawan:             3 Nächte El Nido -> 3 Nächte Puerto Princessa -> ✈

Insel Cebu:                  1 Nacht Cebu City -> 2 Nächte Oslob -> 1 Nacht Moal Boal -> 3                                        Nächte Cebu City (ab hier ging es alleine weiter) -> 2 Nächte                                            Malapascua Island -> 🚢

Insel Bohol:                  4 Nächte Panglao Island -> 1 Nacht Siquijor Island -> 1 Nacht                                           Tagbilaran -> ✈

Insel Luzon:                  1 Nacht im Bus -> 1 Nacht Banaue -> 1 Nacht Batad -> 1 Nacht                                        Banaue -> 1 Nacht im Bus

Am 6. September habe ich mich mit meinem guten Freund Tommy aus der Heimat in Manila getroffen und er hatte 2 Wochen frei, um mich durch die Philippinen zu begleiten. Der erste Tag in der Hauptstadt war ein absoluter Kulturschock. Mit der Kutsche ging es quer durch das Stadtzentrum von Manila, um die kulturellen und architektonischen Überbleibsel von 330 Jahren spanischer Herrschaft zu bewundern.

Doch viel eindrücklicher als die alten Bauten ist die vorherrschende Armut. Ich habe noch nie so viele obdachlose Menschen gesehen. Ganze Familien schlafen in Manila am Straßenrand. Kinder kommen an und betteln. Jede Ecke wird genutzt, um ein Lager für die Nacht aufzuschlagen. Es fiel mir sehr schwer nicht in Tränen auszubrechen, wenn uns Dreck verschmierte Kleinkinder verdutzt, auf einem Stück Pappe sitzend, angesehen haben. Eine kurze Recherche hat ergeben, dass laut Global Homelessness Statistics 3,1 Millionen Menschen in Manila kein Zuhause haben und damit mehr als jede andere Stadt auf der Welt (Insgesamt leben 12,8 Millionen Menschen in der Region Manila). Gerade wenn wir zu Fuß unterwegs waren, habe ich mich nicht getraut die Kamera rauszuholen. Wir haben so schon genug Aufmerksamkeit durch die blonden Haare und die weiße Haut auf uns gezogen, aber dazu später mehr, deswegen hier 3 Bilder, die ich im Internet gefunden habe, die uns aber genauso begegnet sind:

Die philippinische Bevölkerung zählt als eine der am schnellsten wachsenden und jüngsten Asiens. Das Durchschnittsalter liegt bei gerade mal 24,3 Jahren, was vor allem daran liegt, dass sich die katholische Kirche, die einen großen Einfluss auf Politik und die philippinische Gesellschaft hat, gegen Bevölkerungskontrolle ausspricht. Außerdem ist der Schutz des Lebens Ungeborener in der Verfassung verankert und demnach erhalten die Menschen kaum Bildung hinsichtlich Schwangerschaftsverhütung. (Neben dem Vatikan sind die Philippinen auch das einzige Land, das kein Scheidungsrecht hat). Zum anderen liegt es an der vorherrschenden Armut. Fast ein Viertel der Population lebt unterhalb der Armutsgrenze und verdient im Schnitt weniger als 300€ im Jahr. Viele Familien hoffen, dass einer ihrer vielen Kinder erfolgreich wird und es schafft der Familie aus der Armut zu helfen. 2015 lag die Fertilitätsrate noch bei 3 Kindern pro Frau. Einige Inseln der Philippinen zählen somit zu den am dichtesten besiedelten Gebieten der Welt und die Bevölkerung wächst weiter um rund 2 Millionen Einwohner pro Jahr.

Und hier noch einige Impressionen, die ich während der Kutschfahrt aufgenommen habe (zum Vergrößern wie immer auf das Bild klicken):

Ein Tag Manila ist mit Sicherheit mehr als genug, denn viel zu sehen gibt es hier nicht. Für uns sollte es also am nächsten Tag mit dem Flugzeug zur Creme de la Creme der Philippinen gehen: El Nido!

Von Puerto Princessa sollte es mit dem Flugzeug 600 km weiter östlich nach Cebu City gehen. Hier haben wir einen Tag zum „Sightseeing“ in der Stadt verbracht. Im Nachhinein ärgere ich mich wirklich, dass ich mich nicht getraut habe, die Kamera öfter rauszuholen, um die vielen verrückten Dinge festzuhalten, die wir dort gesehen haben. Gerade wenn die Sonne hinterm Horizont verschwindet, verwandelt sich jede noch so kleine Lücke auf dem Bordstein zu einem Geschäft. Es werden verpackungslose Handys verkauft (woher die wohl kommen?), Raubkopien eines jeden Films und sämtlichen Schnickschnack, den man nicht gebrauchen könnte. An kleinen Tischen mit Schreibtischlampen werden Laptops repariert oder Schuhe genäht. Wir werden mit großen Augen angesehen, begrüßt, von Taxis angehupt, zu Ständen eingeladen oder um Geld angebettelt. Eine Geruchsmischung aus altem Frittieröl, vergammelten Müll, Autoabgasen und Urin machen die Reizüberflutung vollkommen und man ist froh, wenn man von diesem Trubel nur noch gedämpft etwas durch die Scheiben des klimatisierten Zimmers mitbekommt. Mit dem Bus, den auch die Einheimischen aus Kostengründen bevorzugen, sollte es zum 4 Stunden entfernten Oslob gehen. Großartig, wenn es einen klimatisierten Bus gibt mit viel Beinfreiheit und einen in dem man wie die Sardinen in der Büchse sitzt, ohne Aircondition und mit teilweise fehlenden Fenstern. Selbstverständlich hatten wir das Glück mit letzterem zu fahren.

An der Stelle sollte ich vielleicht erwähnen, dass Tauchen bis zu diesem Augenblick nicht möglich war. Schon vor meiner letzten Woche in Neuseeland hatte ich mich bei meinen Mitbewohnern mit einer Erkältung angesteckt, über die Fashionweek keine Möglichkeit gehabt mich auszukurieren und danach keine Lust gehabt auf Ausruhen. Dumm! 4 Wochen hab ich die Erkältung mit mir rumgeschleppt, Tommy angesteckt und wir beide hatten zwischendurch Fieber. Dabei wollten wir doch unbedingt auf den Philippinen Tauchen gehen! Eigentor. Aber gut, ich habe meine Lektion gelernt. Nachdem Tommy wieder Richtung Heimat geflogen ist, habe ich mir zwei Tage Ruhe aufgezwängt (das mit dem Ausruhen ist irgendwie nicht so mein Ding) und mir Zeit für die weitere Reiseplanung genommen.

Am nächsten Tag sollte es mit dem Bus in den nördlichsten Zipfel von Cebu gehen, um mit dem Boot auf die Insel Malapascua überzusetzen. Und dort sollte ich nun endlich Tauchen gehen können.

Malapascua Island und der unter Tauchern berühmte Tauchspot Monad Shoal ist einer der einzigen Plätze auf der Welt, an dem man so gut wie täglich Fuchshaie aka Drescherhaie beobachten kann. Die 5-6m großen Tiere (wovon ca. die Hälfte die Schwanzflosse ist) sind für den Menschen ungefährlich und ernähren sich von kleinen Fischen, welche sie einkreisen und durch einen Schlag mit der Schwanzflosse betäuben (daher auch der Name), um sie anschließend zu verzehren. Normalerweise sind diese majestätischen Tiere in Tiefen bis zu 500m zu finden und kommen nur zum Sonnenaufgang in 20-30m tiefes Gewässer, um sich von kleinen Fischen putzen zu lassen.

Screenshots aus dem Video vom Tauchgang: http://www.pictame.com/media/1611590936897707428_2532784836

Leider kann man mit einem Open Water Diver Certificate nur bis 18m Tiefe tauchen und somit habe ich mich spontan dazu entschieden meinen Advanced Diver hier in den Philippinen zu machen (mit welchem man bis auf 30m tief tauchen darf). Die Tauchbasis Sea-Explorers Philippines hat ein unschlagbares Angebot für umgerechnet 214€. 5 Tauchgänge muss man absolvieren, um zum fortgeschrittenen Taucher zu werden. Ein Tieftauchgang auf 30m und ein Tauchgang mit Kompass sind Pflicht. Außerdem habe ich mich für Buoyancy (Austarieren – hier lernt man, wie man sich perfekt im Wasser hält, wie man rückwärts taucht, etc.), Fischidentifikation (man ordnet Fische bestimmten Gruppen zu, um sie später einfacher zu identifizieren) und einen Nachttauchgang entschieden. Gerade Letzteres hat mich total begeistert. Tauchen ist oft so eine Reizüberflutung und man weiß garnicht, wo man zuerst hinschauen soll. Beim Nachttauchgang sieht man nur, was sich im Strahl der Taschenlampe befindet, achtet somit viel mehr auf Details und sieht Kreaturen, die tagsüber schlafen.

Weiter ging es zur benachbarten Insel Bohol. 1 Stunde Warten auf das Boot, welches einen zur Fähre bringt, 45 Minuten Fährfahrt, 4 Stunden Bus, 1,5 Stunden Fähre, 2 Stunden Shuttle, 30 Minuten mit dem Tricycle (zwischendurch nochmal kurz ins Krankenhaus) und endlich kam ich auf der Halbinsel Panglao an.

An diesem Abend saß ich noch etliche Stunden mit den Filipinos zusammen und wurde über so ziemlich alles augequetscht, denn keiner der 13 hatte jemals die Möglichkeit die Philippinien zu verlassen, geschweige denn, dass sie sich ein Leben wie meines vorstellen könnten. Auch ich konnte einige meiner vielen Fragen endlich loswerden. Es stellte sich heraus, dass obwohl die Truppe im Callcenter, mit einem Abschluss und guten Englischkenntnissen schon deutlich mehr als die meisten Filipinos verdienen, trotzdem umgerechnet nur 1,75€/h Brutto verdienen. Kein Wunder, dass die wenigsten von ihnen eine eigene Wohnung haben und bei ihren Eltern wohnen, wie es auf den Philippinen nicht nur aus finanziellen Gründen üblich ist, sondern auch weil die Kinder hier ihre Eltern pflegen im höheren Alter. Geld für Altenpflege oder medizinische Versorgung gibt es nicht. Trotz all dieser, für uns unvorstellbarer Umstände, war die Truppe super gut drauf und hat alles mit mir geteilt.

 

Am selben Abend sollte es mit der Fähre schon wieder zurück nach Tagbilaran gehen, da ich am nächsten Tag nach Manila flog, um im Anschluss in den Norden der Hauptinsel Luzon zu fahren. In Manila hatte ich vier Stunden, um vom Flughafen zum Nachtbus zu kommen und diese 4 Stunden sollten eine ganz schöne Herausforderung werden. Ich stieg in das Taxi, um mich zu dem Hotel bringen zu lassen, in dem Tommy und ich die erste Nacht geschlafen hatten, da ich dort einige meiner Sachen zwischengelagert hatte. Der Verkehr war eine absolute Katastrophe, das Taximeter stieg und stieg und ich bekam Panik, dass ich meinen Bus nicht mehr kriege und mein ganzes Geld für das Taxi ausgeben müssen würde. Ich hatte dem Fahrer von meinem Low-Budget-Reisestil erzählt….ein Fehler. Er bot mir mehrfach an, dass ich ihn auch auf andere Art und Weise bezahlen kann, eine Situation, in die ich gehofft hatte, niemals zu kommen. Aber es ist zum Glück nichts passiert und nach sehr unangenehmen 45 Minuten kam ich ziemlich fertig mit den Nerven am Hotel an. Dort hat man Gott sei Dank nicht auf die weitere (teure) Übernachtung gepocht, die ich versprochen hatte, um mein Gepäck zwischenzulagern und weiter ging es mit 35 Kilo Gepäck bepackt, um ein Motorrad-Taxi zu finden. Doch solche gibt es in der Gegend nicht und ein normales Taxi hätte es nicht mehr pünktlich zum (bereits bezahlten) Bus geschafft. Ein junges Pärchen hielt mit dem Tricycle und bot mir sofort Hilfe an. Die junge Frau hat gefragt, was ich denn alleine in so einer Gegend an einem Freitagabend mit meinem ganzen Gepäck mache. Sie hat gesagt, dass ich es niemals bei dem Verkehr zum Bus schaffe, doch es gäbe einen Zug. Das Pärchen hat mich also zu der nächsten Haltestelle gebracht und dafür gesorgt, dass ich sicher in den richtigen Zug komme. Als ich aus dem völlig überfüllten Zug (in den die Leute rein gedrückt wurden) ausstieg, stellte ich fest, dass es noch 2,5 km bis zum Bus sind, welcher in 35 Minuten abfahren sollte. Ich entschied mich zu laufen, da ich noch Geld abheben musste, essen und trinken brauchte und ansonsten nicht pünktlich angekommen wäre. Beladen wie ein Esel bin ich also bei 30° durch die Stadt gelaufen, hatte mehrfach das Gefühl gleich zusammen zu brechen und war komplett dehydriert. Doch Aufgeben war keine Option, erst recht nicht, wenn man alleine ist. Sich selbst gut zureden und seinen inneren Coach aktivieren hat geholfen und ich hab es gerade so noch pünktlich zum Bus geschafft. Reisen kann manchmal echt tricky sein, vor allem, wenn man in solchen Situationen alleine klarkommen muss.

12 Stunden fuhren wir durch die Nacht und als ich zum Sonnenaufgang in den Bergen von Banaue aufgewacht bin, war der ganze Stress vom Vortag wie weggeblasen. Die Ifugao Gegend ist so ganz anders, als alles, was ich bisher gesehen habe und wunder wunderschön.

4 Wochen Philippinen sind rum und ich muss sagen, es war eine sehr intensive Zeit im Positiven, wie auch im Negativen. Ich habe mich sehr schwer getan diesen Eintrag zu schreiben, weil mit dem Land so viele Emotionen verbunden sind. Ich habe so viel Armut, wie noch nie zuvor gesehen und mir schnürt es nach wie vor die Kehle zu, wenn ich daran denke. Es wurde mir wieder einmal vor Augen geführt, wie unendlich gut es uns geht und wie privilegiert wir sind, aus einem Land wie Deutschland zu kommen.  Außerdem war es das erste mal für mich ganz alleine zu reisen. Eine Erfahrung, an der ich definitiv wachsen konnte und froh bin gemacht zu haben. Aber ich habe auch festgestellt, dass es nicht wirklich mein Ding ist. Ein Ort kann noch so schön sein, aber wenn du es mit Niemandem teilen kannst ist es einfach nicht das Selbe. Die Filipinos sind sehr nett, hilfsbereit und ich habe viele neue Freunde gefunden, denn wenn man alleine ist, sucht man viel mehr den Kontakt zu anderen Menschen, als in Begleitschaft. Doch leider ist man mit heller Haut und blonden Haaren absoluter Exot auf den Philippinen. Gerade wenn man in Gegenden kommt, wo nicht so viele Touristen sind (& das sind die Orte wo ich mich am liebsten herum treibe) wird man von jedem angeschaut und die Leute wollen Fotos von/mit dir aufnehmen. Es gab Situationen in denen ich mich nicht mal getraut habe baden zu gehen, weil alles geschaut hat und über mich gesprochen wurde. Das Gefühl wenn du in ein Restaurant kommst, die Aufmerksamkeit von jedem bekommst und angefangen wird zu tuscheln, ist wirklich bedrückend. Dahinter steckt natürlich keine böse Absicht. Aber in solchen Momenten wäre es gut gewesen jemanden zu haben, mit dem man darüber lachen kann. Auch wenn ich es irgendwie gemeistert habe, freut mich wirklich, dass diese Zeiten wieder vorbei sind.

Die Philippinen sind so schön und vielseitig, was hoffentlich mit diesem Eintrag deutlich wurde. Mein Kopf war kurz vorm Platzen vor lauter Eindrücken und Bildern von wunder schönsten Orten, seltenen Tieren und kulturellen Erlebnissen. Zeit um sich ein bisschen Erholung vom Reise-„Stress“ zu gönnen, werde ich auf Bali wohl hoffentlich finden. Dazu aber im nächsten Eintrag mehr. Bis dahin, haltet die Ohren steif.

Liebste Grüße,

Eure Gina

Work. Save. Travel. Repeat.

Hallo meine Lieben,

ich sitze hier im Wohnzimmer über meinem Laptop, draußen regnet es mal wieder und trotzdem freue ich mich über den alltäglichen Ausblick auf den Skytower. Seit fast 3 Monaten lebe ich nun in Auckland, um Geld für weitere Reisen zu erwirtschaften.  Aber lasst mich erstmal berichten, wie es nach Fidschi weiterging. Nachdem Linda und ich wiedergekehrt sind, hat uns Bryce, den wir auf einer Wanderung kennengelernt hatten, für einige Wochen bei sich und seinen Eltern in Remuera (Auckland) aufgenommen.

In dieser Zeit haben Linda und ich eine schwere Entscheidung getroffen und mussten uns trennen. Linda wollte gerne auf die Südinsel zum Arbeiten und ich hatte die verlockende Chance Vollzeit als Model in Auckland zu arbeiten. Trotzdem wir uns beide sehr vermissen lief es arbeitstechnisch doch sehr gut. Linda hatte nach kurzer Zeit einen Job in einem Skiressort in Methven, neben dem Skigebiet Mt Hutt bekommen und arbeitet mittlerweile sogar oben auf dem Berg in einer Skihütte als Barista, wie auch schon damals in Thames. Mal davon abgesehen, dass die Gute für diese Jobs viel zu überqualifiziert ist, mit einem Bachelor in International Hotel Management und 4 Jahren Arbeitserfahrung in der Hotelerie, fühlt sie sich trotzdem sehr wohl und hat nun die Chance jeden Tag umsonst Skifahren zu gehen. Jackpot!

Aber nun zurück nach Auckland. Die Agentur bei der ich unter Vertrag bin (Uniquemanagement) hat sich wirklich alle Mühe gegeben mich für so viele Jobs wie möglich zu bewerben, sodass das Modeln zu meinem Vollzeitjob wurde. Ich habe zwischen 2-4 Jobs pro Woche und zusätzlich Castings, Fittings (Anproben) und s.g. Go Sees („Vorstellungsgespräch“ bei einem Fotografen, damit dieser einen kennenlernt und auf dem Schirm hat für potentielle Jobs). Natürlich könnte ich mehr arbeiten und würde es auch gerne, aber es steht und fällt nun mal mit der Arbeit der Agentur und den Kontakten, die man hat. Leider konnte ich auch keinen Zweitjob finden, der mit der Flexibilität, die einem beim Modeln abverlangt wird, vereinbar war. Es ist vollkommen normal abends um 22 Uhr noch eine Nachricht vom Agenten zu bekommen, dass man morgen früh um 6 Uhr einen Jobangebot hat. Es steht mir immer frei einem Job zu- oder abzusagen, allerdings kommt beim Modeln finanziell viel mehr rum, als bei jedem anderen Job. Demnach versucht man jeden möglichen Job mitzunehmen und seitdem meine Agentur weiß, dass ich Vollzeit zur Verfügung stehe, werden manche Jobs auch ohne Absprache bestätigt. Es ist ein verrückter Beruf und für mich auch ein wenig komisch darüber zu sprechen. Ich habe vor neun Jahren damit angefangen und es war immer nur ein Hobby neben Schule und Universität. Normalerweise habe ich Leuten davon nicht erzählt oder zumindest erst, wenn sie mich eine Weile kannten. Zum einen, weil ich nicht darauf reduziert werden möchte und zum anderen, weil Leute dann dazu tendieren mich als Konkurrenz zu sehen, neidisch sind, mich für blond und dumm halten oder anderen Blödsinn. Ich berichte lieber von meinen Reisen oder wie schön unkompliziert das Leben sein kann. Doch da das Modeln hier in Auckland mein Hauptberuf ist, bleibt mir nichts anderes übrig als auf die Frage „What are you doing for work?“ mit „I am working as a model“ zu antworten, wenn ich sie nicht anlügen möchte. Es fühlt sich komisch und befremdlich an und wird auch nicht besser, da als Reaktion meistens nur ein „Oh…“ oder „Yah you can do that“ kommt. Die Wenigsten haben mit dieser Berufsgruppe zu tun oder wissen überhaupt, dass man das tatsächlich als eine Profession bezeichnen kann. Wenn ich dann davon erzähle, dass ich in einer 50m² Wohnung mit 5 anderen Leuten wohne und auf dem Fussboden schlafe, verfliegt meistens das Bild der arroganten Tussi aus dem Kopf der Leute und ich werde wieder normal behandelt. Der Job macht mir sehr viel Spaß, auch wenn er manchmal echt anstrengend sein kann, z.B. Lookbook-Shootings für die Online-Shops, bei denen man hunderte von Teile an einem Tag anhat und die Posen auch eher semi-kreativ sind. Aber ansonsten sind die Jobs eigentlich alle sehr abwechslungsreich, ich komme an verrückte Orte (Luxussuiten in Hotels, Fernsehstudio, etc.) und der Markt hier in Neuseeland spielt mir in die Hände. Das heißt es gibt nicht viel Konkurrenz, die Agentur vermarktet mich als „internationales Model“, kann somit mehr verlangen und die Kunden (im Gegensatz zu Europa) treffen eine Vorauswahl bei den Mädels, die sie zum Casting einladen und somit ist die Wahrscheinlichkeit, den Job zu kriegen sehr viel höher. Leider muss ich mind. 2 Monate auf meine Bezahlung warten, was aber in der Branche ganz normal ist, zumindest habe ich die gleiche Erfahrung in Deutschland und auch Australien gemacht. Hier mal ein paar Impressionen von meiner Arbeit:

Diese Woche ist Fashionweek in Auckland. Seit dem großen Fashionweek-Casting vor 3 Wochen, bei dem alle Models vor allen Designern gelaufen sind (eine riesige Fleischbeschauung), sind irgendwie alle am durchdrehen. Die Agentur ist kaum noch zu erreichen und die Designer buchen so viele Models wie möglich als Option damit „die Guten“ nicht für andere Shows gebucht werden können. Ich selber laufe diese Woche auf 7 verschiedenen Shows mit und hatte am Mittwoch schon mal das Vergnügen. Es ist der reinste Wahnsinn. Man kann sich Backstage noch nicht einmal die Nase putzen ohne das einem irgendeine Linse ins Gesicht gehalten wird. Alles ist voll mit Fotografen und Redakteuren. Und oh wehe dem, wenn das Makeup fertig ist, die Haare sitzen und du im ersten Outfit steckst. Hier ein Foto, da ein Foto, jetzt nochmal kurz nach rechts schauen und noch ein Bild mit dem Designer. Ich hatte zwischendurch Situationen wo eine Dame sich um die Makellosigkeit der Beine gekümmert hat, 3!!!!! Makeup-Artist sich gleichzeitig an meinem Gesicht ausgetobt haben, ich einen Reflektor in die Hand gedrückt bekommen habe und 3 Fotografen das ganze festgehalten haben. Fashionweek-Madness! Es ist wirklich sehr intensiv und ich könnte es nicht jeden Tag haben.

Wen es interessiert kann sich auch gerne die NZ Weddings Magazine Show (Minute 4.55/22.30) oder die Tanya Carlson Show (Minute 3.50/10.50) hier ansehen: https://nzfashionweek.com/watch-2017-shows

Und mehr von meiner Arbeit findet Ihr hier: https://www.instagram.com/gina_susan/

Aber nun genug von der Arbeit. Nachdem Linda auf die Südinsel gezogen ist, bin ich nochmal ganz spontan für eine Woche nach Malaysia geflogen und habe dort einen guten Freund aus der Heimat getroffen. Leider hatten wir gerade mal 5 Tage, wovon wir die Hälfte in Kuala Lumpur und die andere Hälfte auf Redang verbracht haben. Ich kann also nicht wirklich behaupten Malaysia bereist zu haben. Aber dort komme ich ja so oder so nochmal vorbei ;), deswegen hier nur ein paar wenige Impressionen der fünf Tage:

Nach diesem Kurztrip habe ich mir eine neue Bleibe in Auckland gesucht. Paul (Lindas ehemaliger Kommilitone), Marlene, Karla, Payam (alle ebenfalls aus Deutschland) und Parthey aus Indien haben mich in ihrer gerade mal 50m² großen Wohnung aufgenommen. Zweieinhalb Monate habe auf dem Fussboden geschlafen und nur $50 pro Woche gezahlt (Im Vergleich zu normalerweise $150-250/Woche extrem wenig). Privatsphäre gab es natürlich nicht wirklich, aber ich habe mich bei den 5 so wohl gefühlt und wir haben uns so gut verstanden, dass einstimmig entschieden wurde ich solle doch bleiben. Die kleine Wohnung mit Blick auf den Skytower ist perfekt gelegen auf der Upper Queenstreet, direkt neben der hippen Karangahape Road mit Cafés und Bars und nur 10 Minuten zu Fuß vom absoluten Stadtzentrum entfernt. Zu den verschieden Modeljobs konnte ich somit meistens laufen und habe mein Auto so gut wie garnicht mehr gebraucht. Die Freizeit wurde gut genutzt, um Auckland und Umgebung zu erkunden. Am Wochenende ging es meistens gemeinschaftlich feiern oder es wurde sich daheim das ein oder andere Glas beim Kings Cup spielen gegönnt. Obwohl ich Auckland erst sehr skeptisch gegenüber stand (vor allem aufgrund des unstetigen Wetters und dem fürchterlichen Verkehr) habe ich die Metropole sehr ins Herz geschlossen, was  wahrscheinlich hauptsächlich an dem großartigen WG-Leben liegt.

 

So nun zu guter Letzt (nach diesem viel zu langen Blogeintrag) noch ein kleiner Ausblick. 10 Monate hat mich Neuseeland so sehr verzaubert, doch das Fernweh sitzt wie ein Schalk im Nacken und ich habe meine Taschen gepackt. Jetzt wo ich nun endlich diesen Eintrag fertig schreibe sitze ich bereits auf den Philippinen und bin in einer ganz anderen Welt. Meine Pläne hatten sich in den letzten Monaten tausend mal geändert, doch letztendlich habe ich entschieden durch Südostasien zu reisen. Was genau ich hier treibe, erzähle ich im nächsten Beitrag 🙂

In diesem Sinne, bis dahin, haltet die Ohren steiff!

Eure Gina

 

We are on fiji time!

Bula, meine Lieben und herzlich Willkommen in Fidschi.

Für zwei Wochen sind Linda und ich in das absolute Paradies geflogen und hatten einen der schönsten Urlaube überhaupt. Doch bevor ich von unserem Inselhopping-Trip erzähle, erstmal ein paar Eckdaten zu Fidschi:

Die 332 Inseln, von denen nur 110 bewohnt sind liegen östlich von Australien und ca. 2000 Kilometer nördlich von Auckland. Auf den insgesamt 18.333 km² (zum Vergleich Deutschland: 357.375 km²) leben ca. 890.000 Menschen, die meisten davon auf den beiden Hauptinseln Viti Levu und Vanua Levu, welche neun Zehntel der Landesfläche umfassen. Die parlamentarische Demokratie besteht zu 57,3 % aus Angehörigen der ursprünglichen fidschianischen Bevölkerung und zu etwa 37,6 % aus Indern. Gesprochen wird Fidschianisch, Fidschi-Hindi und Englisch, welches während der Schulzeit von mindestens 8 Jahren gelehrt wird. Fast alle Fidschianer sind evangelische Christen und der indische Bevölkerungsanteil gehört der drittgrößten Weltreligion, dem Hinduismus an.  An dieser Stelle erstmal ein Danke an Wikipedia! Kommen wir nun zu unserer Reise:

Linda und ich hatten den Flug gerade mal 3 Tage im Voraus gebucht und außer die erste Übernachtung in Nadi im „Wailoaloa (nicht am-) Beach Resort“ war noch Nichts geplant. Am ersten Tag ging es also in die Stadt und wir wurden direkt mit der Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit der Fidschis überhäuft. Kaum aus dem Bus gestiegen kam auch schon ein Local zu uns und auf die Frage, wo wir denn ein Travelagent finden, brachte er uns in einen kleinen Ramschladen in dem einige Frauen saßen, wovon eine unsere Reiseplanerin werden sollte. Nachdem sie uns ein Angebot gemacht hatte, wollten wir das entsprechende Geld besorgen und ich musste leider feststellen, dass die Bankautomaten an diesem Tag nicht so auf meiner Seite waren. Naja fassen wir es kurz, Pin mehrfach verwechselt, Karten zu oft ausprobiert, Tageslimit erreicht und erfolgreich 3 Karten gesperrt. Sch****. Nach einer Stunde rumtelefonieren über Skype hatte sich das Gott sei Dank wieder regeln lassen.                                     An dieser Stelle ein Tipp an alle Reisende: Wenn man Guthaben auf seinen Skypeaccount geladen hat, kostet der Anruf, egal in welches Land nur wenige Cents und ein Internetcafe findet man eigentlich immer (z.B. von Neuseeland ins deutsche Festnetz 3 Cent/Minute).                                                                                                     Auf dem Rückweg zum „Reisebüro“ wurde uns von der Konkurrenz ein besseres Angebot gemacht. Nach langem Hickhack, Travel-Agent-Hopping und „bei dem Anderen hat die Unterkunft aber weniger gekostet“ – Argumenten haben wir den Discount vom Discount vom Discount herausschlagen können und den bestmöglichen Preis bekommen. Wir haben insgesamt für 12 Tage, 4 verschiedene Inseln, alle Unterkünfte (hauptsächlich dorms/Schlafsäle), Mahlzeiten, Transfers inklusive gerade mal 1.150 Fidschi-Dollar ≙ 500 € gezahlt. Ein unschlagbarer Preis! (Laut dem World Wide Web empfiehlt es sich eh, für Fiji alles erst vor Ort zu buchen, was ich aus Gesprächen mit anderen Reisenden auch nur bestätigen kann.)

Gemeinsam ging es also am folgenden Tag nach Mana Island, wo wir herzlichst mit Musik und Gesang am Strand empfangen wurden. Eine wunderschöne Tradition die uns auf jeder Insel zuteil wurde.

Und endlich stehen wir am weißen Sandstrand. Palmen wedeln in der Sonne. Das Wasser ist glasklar. Man fühlt sich wie in einer Postkarte. Die Schuhe werden bis zum Abflug nicht mehr gebraucht und die Uhren werden auf Fiji time gestellt. Hektik ist hier ein Fremdwort und man lässt sich anstecken von der tiefen Gelassenheit der Fidschianer. Aus um 3 wird um 4, das Boot kommt für gewöhnlich mindestens eine halbe Stunde später und wenn das mit dem Villagetrip heute nicht klappt, ist das auch nicht so schlimm, denn es sind ja alle on Fiji time. Für den Deutschen etwas gewöhnungsbedürftig, aber da man sich auf kleinen Insel befindet und auf die Bootsfahrer angewiesen ist, bleibt einem eh Nichts anderes übrig als sich zu entspannen. Wlan und Telefonempfang ist hier auch eher eine Rarität und somit ist ein Urlaub auf Fidschi das beste Mittel zum Entschleunigen.

Auf jeder Insel verbringen wir ungefähr 3 Nächte, was gerade so genug ist, um alle activities, die von den jeweiligen Ressorts angeboten werden (meistens kostenfrei oder sehr kostengünsig) mitzunehmen, schnorcheln zu gehen und noch genügend Zeit zu haben, um zu entspannen. Drei mal am Tag gibt es Essen, was leider Gottes nicht immer so deliziös ist. Die Fidschis kombinieren gerne Kohlenhydrate mit Kohlenhydraten und so gibt es gefühlt täglich Fleisch mit Reis UND Kartoffel oder Casava (die Fidschi-Kartoffel). Zum Frühstück darf man sich mit trockenen Pancakes, süßem Brot und Früchten beglücken und zum Abendbrot gibt es Currys oder traditionelle Gerichte. Naja Food-Heaven ist was anderes, aber hinsichtlich dessen, dass die meisten Lebensmittel erst von der Hauptinsel zu den kleineren Inseln gebracht werden müssen, wollen wir mal nicht so sein. Apropos von einer Insel zur Anderen kommen. Kleine, einfache Fischerboote bringen dich und dein Gepäck zu der Fähre, die alle bewohnbaren Inseln miteinander verbindet und das Einzige ist, was angeblich nicht on Fiji time ist. Dort trifft man dann auch meistens Leute wieder, die man schon auf anderen Inseln kennengelernt hat, da alle ungefähr die gleiche Route durch die s.g. Yasava Islands abklappern. Wir haben z.B. ein paar Schweden fünf mal innerhalb der 12 Tage getroffen und uns so gut verstanden, dass wir uns anschließend auch in Auckland nochmal gesehen haben.
Den Rest gibt es in Bildern mit entsprechenden Erklärungen dazu.

 

 

 

Winter is coming

Die Sonne scheint, es ist immer noch recht warm, doch die Bäume schmücken sich nun mit warmen Farben und entledigen sich allmählich ihrer Kleider. Ab 17 Uhr spätestens ist es Zeit für den ersten dicken Pulli und eine halbe Stunde später sagt auch schon die Sonne Adieu. Seit dem 2. April befindet sich Neuseeland in der Winterzeit und die Zeitverschiebung zu Deutschland beträgt nicht mehr 12 Stunden, sondern nur noch 10.

Nach der Arbeit fahren Linda und ich meistens zu unserem Lieblingsplatz am Meer, 2 km außerhalb von Thames, um den Tag ausklingen zu lassen, noch ein paar Sonnenstrahlen zu erhaschen und der Sonne bei ihrer letzten Vorstellung zuzusehen. Café Melbourne beschäftigt Linda nach wie vor und die Gute ist mittlerweile ein s.g. Barista geworden. Sowohl in Australien, wie auch in Neuseeland ist es üblich diese Ausbildung zum Kaffee-Profi zu absolvieren, bevor man eine Kaffeemaschine bedienen darf. Der hohe Standard des Cafés gefällt uns beiden sehr gut und ich verbringe gerne dort die Zeit nach der Arbeit und profitiere vom beste-Freunde-Discount.

Ich weiß es mag komisch für Manchen klingen, aber der Housekeeping-Job im Tuscany Motel bereitet mir sehr viel Freude und die Möglichkeit abzuschalten. Ich genieße es mit Hörspiel in den Ohren perfekte Ecken in die Bettlaken zu falten, die Goodies, wie Shampoo, Seife, Tee, Kaffee, etc. zu arrangieren und die Spiegel zu polieren. Eine rein physische Arbeit, die ich aller 2-3 Tage routiniert in ungefähr 3 Zimmern ausführe, um anschließend mit meinen Arbeitgebern beim liebevoll angerichteten Lunch noch ein wenig zu plaudern.

Im Auftrag des lokalen Radiosenders Coromandel More FM führen Linda und ich nebenbei Kundenumfragen durch, helfen bei Werbeaktionen mit, begleiten die Salesmanager oder besetzten einfach nur die Rezeption, wenn niemand da ist. Der Job ist sehr gut bezahlt und es ist interessant mal hinter die Kulissen eines Radiosenders zu schauen.

Diese zwei Gelegenheitsjobs ermöglichen es auf jeden Fall die Lebenshaltungskosten von ungefähr $150/Woche zu decken. Priorität haben jedoch die Modeljobs in Auckland. Leider ist es kein regelmäßiges Einkommen, mit dem man fest rechnen kann. Die anderthalbstündige Fahrt nach Auckland hat sich dennoch schon mehrfach gelohnt und ich konnte einige Castings für mich entscheiden. Dieser Job ist so abwechslungsreich und ich finde es herrlich immer wieder in neue Situationen rein geworfen zu werden und mit einem neuen Team zusammen zu arbeiten. An manchen Tagen ist es total relaxed und ich habe viel Zeit zwischendurch zum Entspannen. An anderen Tagen wird acht Stunden durchgearbeitet und du bist froh wenn du deine 10 Minuten zwischendurch hast, um dir was vom Catering reinzustopfen, während du gleichzeitig die Haare gemacht bekommst. Gerade wenn Fotos für den Onlineshop erstellt werden müssen, sind die Tage oft sehr lang, unendlich viele Teile, die fotografiert werden und die selben Posen all day long. Es ist immer wieder interessant zu sehen, wie gemogelt wird, die Sachen abgesteckt werden oder du für das vorher/nachher Foto dein Gesicht fleckig gerubbelt bekommst, damit der Unterschied möglichst groß ist. Da ich mit 23 schon zu den etwas „älteren“ Models zähle, werde ich hauptsächlich für Frauenrollen gebucht, wie Hochzeitskleider oder Kollektionen, die eher unserer Elterngeneration entsprechen. Leider ist es komplett normal, dass man keine Fotos von den Shootings bekommt, wenn man bei einer Agentur unter Vertrag ist. Dennoch hier ein paar wenige Impressionen:

Aber nun genug von der Arbeit. In den zweieinhalb Monaten, die wir in Thames verbracht haben, haben wir weiterhin bei Roger, seiner Tochter Brooke und den zwei Enkeln Khaleesi und Sienna gewohnt.

Trotzdem, dass das Wetter in der Waikato-Region weitestgehend gut ist, suchten uns zwischendurch heftige Regenfälle heim. Die Straßen wurden überschwemmt, Menschen wurden teilweise evakuiert, bei uns fiel Strom und Wasser aus, aber die angekündigten Zyklone blieben bislang Gott sei Dank fern.

Unsere Freizeit nutzen wir bevorzugt, um die Gegend um Thames zu erkunden und haben uns total in das, fast neongrüne Gras der Wiesen und Hänge verliebt.

Nachdem ich in den vergangenen Monaten beide Inseln schon weitestgehend erkundet hatte, fehlte jedoch noch ein ganz wichtiger Berg. Mount Taranaki. Der 2518 m hohe, fast perfekt symmetrische Vulkan liegt ganz im Westen der Nordinsel Neuseelands. Aufgrund des sehr wechselhaften Wetters und die zum Teil unerfahrenen Bergsteiger erreicht der Berg leider die höchste Todesrate auf allen neuseeländischen Bergen. Gutes Timing und eine entsprechende Ausrüstung war also Voraussetzung. Wir haben zwar den perfekten Tag wettertechnisch abgepasst, doch leider sind wir ein bisschen zu spät losgegangen und hatten vom Abstieg grade mal ein Drittel geschafft, da wurde es schon finster. Doch mit genügend Klamotten, Essen, Wasser und Stirnlampe im Gepäck war es auch nicht so schlimm, dass wir insgesamt 12 Stunden für den Track gebraucht haben. Wir haben uns viel Zeit gelassen, da man in den gerade mal 6,3 km (one way) 1600 Höhenmeter zurücklegt, über Geröllfelder läuft (heißt zwei Schritt vor und einen wieder zurück) und die letzte Stunde zum Gipfel klettern muss. Aber es lohnt sich sooooooo sehr, wie ihr gleich sehen werdet:

Nach der Zeit bei Rogers durften wir noch eine Woche bei Sharon im lokalen Pub wohnen. Wir haben ihr hier und da unter die Arme gegriffen und uns riesig über die Bekanntschaft der Dorfjugend gefreut. Endlich mal ein bisschen Rambazamba! Zur wöchentlichen Billard-Competition sollten wir hinter der Bar stehen. Da mir die Getränke weitestgehend unbekannt waren und ich noch nie hinter der Bar stand, war das Ganze ein sehr amüsantes Unterfangen und ich durfte mir von den Stammgästen erklären lassen, wo ich was finde. Diese waren jedoch alle sehr gut drauf und jegliche Seriosität war durch das Kleidermotto „Gangster“ eh dahin:

Nach den zweieinhalb Monaten in Thames war es Zeit weiterzuziehen und bevor es runter auf die Südinsel zur Skisession gehen sollte, wollten wir nochmal einen Abstecher ins Warme machen. Aus Kostengründen haben wir uns für Fiji entschieden, doch zu diesen traumhaften zwei Wochen, möchte ich mich im nächsten Blogeintrag äußern.

In diesem Sinne, bis dahin!

Willkommen bei Rogers

Hallo ihr Lieben,

hab lange nichts hören lassen, dafür jetzt umso mehr ;).

Nachdem Eric und ich mehrere Tage in der Art Déco Stadt Napier verbracht hatten, ging es weiter Richtung Auckland, um dort seinen Van zu verkaufen. 2 Wochen blieben uns noch bevor Eric nach Bali geflogen ist, um dort einen Monat lang das Surfen zu lernen.

Napier ist wirklich eine schöne Stadt und bietet viele Ausflugsmöglichkeiten in der Umgebung. Leider ist das Meer hier zu schroff und die Wellen zu hoch, dass man nicht wirklich baden gehen kann. Die Hitze drückt und man flüchtet sich zu Wasserfällen oder entfernten Sandstränden.

Eric hatte schon Tage vorher seinen Van bei Facebook und Trade me (dem neuseeländischen Ebay Kleinanzeigen) zum Verkauf gestellt und somit hat es nur einen Tag gebraucht, bis wir in Auckland unser Zuhause für $5200 (ca. 3400€) verkaufen konnten. Leider war das Wetter schlecht und wir wollten so schnell wie möglich aus der Großstadt raus, um zur Coromandel Halbinsel östlich von Auckland aufzubrechen. Die s.g. Coromandel Peninsula ist 85 km lang und 40 km breit. Im Kreis ging es einmal um die dünnbesiedelte Halbinsel. 400 Kilometer leuchtend weißer Sandstrände, rustikale Dörfer, und ein mit Regenwald bedecktes Landesinnere sorgen für Urlaubsfeeling und viel Kamerafutter.

 

Am 22. Februar kam Linda von der Südinsel zurück und wir hatten noch eine Woche zu dritt, bis Eric sich nach Bali aufmachte. Mit dem Verkauf des Vans sind wir wieder auf den Mitsubishi Chariot Station Wagon umgestiegen, doch der Platz reicht leider nicht für drei. Einen Monat zuvor ist Linda mit dem Neuseeländer Roger beim Rodeo ins Gespräch gekommen und er hatte uns angeboten, dass wir jeder Zeit bei ihm vorbeischauen können. Also wohnten wir eine Woche bei Roger, seiner Tochter und den zwei Enkelkindern. Das Grundstück befindet sich am Fuße der Coromandel Peninsula, genau in der Mitte zwischen den zwei Orten Thames (mit ungefähr 7500 Einwohnern der größte Ort der Halbinsel) und Paeroa. Ein riesiger Garten umgibt das Haus und jede Menge Tiere (Pferd Willow, Zwergpferd Chico, 2 Kaninchen, 4 Hühner, Katze Ava, ein Schwein und vier Enten). Außerdem wachsen im Garten Kiwis, Avocados, Mandarinen, Orangen, Kakis, Makadamianüsse, Quitten, Feigen, Zitronen, Walnüsse, Tomaten, Weintrauben und Kartoffeln. Ein absolutes Paradies. Ansonsten wird mit den Kids gespielt oder zum Rodeo gegangen.

Zu dritt ging es für zwei Tage zur Pinnacles Hut im spektakulären Kauaeranga Valley, geziert von Pinnacles (Berggipfeln), Steilhängen und Schluchten, die aus einer über Millionen Jahre dauernden Serie an vulkanischen Aktivitäten und Erosion entstanden ist. Nach 4 Stunden Aufstieg erreichen wir die luxuriöseste und größte Berghütte, die ich je gesehen hab. Insgesamt bis zu 82 Menschen können dort für je $15 übernachten, es gibt fließend Wasser, Kaltduschen, eine Küche und riesige Terrassen zum Verweilen. Leider haben wir das Wetter ein bisschen unterschätzt und sind nicht zum Sonnenuntergang auf den Gipfel hoch als das Wetter noch schön war, sondern erst zum Sonnenaufgang und alles hing im Nebel. Naja man hat drauß gelernt.

Für Linda und mich gings nach Erics Abfahrt erst einmal zum nahegelegenen Bay of Plenty, um ein paar Tage noch rumzureisen, bevor wir anfangen mussten zu arbeiten. Die 259 km lange Bucht hat ein paar wahnsinnig schöne Schätze zu bieten, doch leider war das Wetter nur für wenige Tage auf unserer Seite.

Es ging also im Anschluss zurück zu Rogers. Wir haben uns in jedem Laden in Thames und Paeroa beworben und haben nun mehrere Gelegenheitsjobs gleichzeitig. Linda arbeiten 20-25h pro Woche im sehr guten Café Melbourne und wir promoten einen lokalen Radiosender ein-zweimal die Woche. Ansonsten helfen wir zeitweise in einem lokalen Pub aus und können uns in Pauanui um die Vorgärten der Reichen kümmern. Außerdem pflücke ich an einigen Tagen Kiwis, denn was für ein Backpacker wäre ich denn, wenn ich Fruitpicking nicht gemacht hätte. Die Tragetasche, die an den Schultern vor dem Bauch hängt, wird mit bis zu 25kg Kiwis beladen, bevor sie im Trailer entladen wird. Nach 7-8 Stunden ist man platt und die Schultern tun super weh. Es ist der physisch anstrengendste Job, den ich bisher hatte, aber auf jeden Fall eine Erfahrung wert. Ganz im Gegensatz dazu bin ich auch wieder unter Vertrag bei einer Modelagentur in Auckland und habe laut der Agenten gute Chancen in Neuseeland. Der Commercial (Werbung) -Markt ist hier sehr viel größer und es wird eher weniger nach super dünnen Models gesucht. Somit konnte ich mir beim gestrigen Casting direkt den ersten Job sichern und werde in 2 Wochen in Hochzeitskleidern shooten.

Wir könnten somit theoretisch jeden Tag arbeiten ($15-$20/h, beim Modeln ein „bisschen“ mehr) und viel Geld ansparen, um hoffentlich im Mai einen Abstecher zu einer Pazifikinsel zu machen (bisher im Gespräch waren Bali, Fiji und Tonga – für Vorschläge, Tipps etc. wären wir sehr dankbar). Anschließend haben wir uns für die Skisaison (Juli-August) auf der Südinsel beworben und hoffen ganz sehr, dass das klappt. Ich finde es auf jeden Fall herrlich in so viele verschiedene Berufe reinzuschnuppern, die daheim für mich wahrscheinlich nicht in Frage kämen.

 

Roadtrip 2.0

Seit nun schon 2 Monaten befinden wir uns auf unserem Roadtrip, erkunden Neuseeland und leben im Auto. Doch ein bisschen was hat sich geändert. Linda ist nun endlich auch am anderen Ende der Welt angekommen und aus diesem Grund haben wir einen Fahrzeugwechsel vorgenommen. Erics selbst ausgebauter Mitsubishi L300 Bus, mit welchem er vorher gereist ist, war in Auckland zwischen stationiert und wir holten unser neues Zuhause am 11. Januar ab.

Zu dritt ging es dann zu den beiden Neuseeländern Aron (46) und seinem Sohn Jeremy (17) nach Dargaville. Wir konnten für eine Woche die Autos im Hof abstellen und bei den Beiden hausen. In dieser Zeit haben wir die zwei Deutschen Tim und Yorick aus Auckland wieder getroffen und uns so gut verstanden, dass wir zu fünft 3 Tage bei Aron verbracht haben. Die Zeit war wunderbar, wir haben alle Aktivitäten und Ausflüge in der Gegend abgeklappert und herrliche Abende in Aron‘s Garage verbracht.

Da Eric und ich die Südinsel bereits kannten und nicht nochmal den Weg und die Kosten auf uns nehmen wollten, entschied sich Linda erstmal bis Ende Februar mit Yorick und Tim die Südinsel zu erkunden. Die Gelegenheit war einfach so passend, ansonsten wäre ihr diese (naturtechnisch spektakulärerer) Insel Neuseelands entgangen. Also ging es für Eric und mich weiter Richtung Northland (dem obersten Zipfel der Nordinsel). Vom nördlichsten Punkt Neuseelands (Cape Reinga) sind wir dann über die Ostküste runter bis nach Napier gefahren.

An das Leben im Van hat man sich mittlerweile sehr gut gewöhnt. Die Gasflasche wird gewissenhaft an die Herdplatten angeschlossen, aus der Dachbox werden Tisch und Stühle routiniert aufgebaut und man findet alles auf den ersten oder zweiten Griff, da jeder Gegenstand seinen festen Platz hat. Objekte der gleichen Kategorie befinden sich in s.g. Units in Ziplocktüten. So finden z.B. alle Technik-Utensilien Platz in einer dieser durchsichtigen Tüten, wie auch täglich gebrauchte Kosmetikartikel, Spiele, uvm. Die Klamotten werden einzeln zu Rollen zusammengewickelt und in eine Kiste nebeneinander gereiht. Anziehsachen die täglich gebraucht werden kommen hinter die Sitze. Auch die Einkaufsliste weist gewisse Standard-Lebensmittel auf und ich übernehme meistens das Kochen, da Eric uns von A nach B bringt. Zum Frühstück gibt es ein von uns liebevoll bezeichnetes Mördersandwich, bestehend aus zwei Scheiben „kommt-Brot-recht-nah-ist-trotzdem-ein-Toast“, Avocado, Salami, Käse, rote Beete, Aufstrich und wenn wir uns „mal richtig gönnen“ noch ein Spiegelei (daher die Bezeichnung). Zum Mittag wird dann meistens nur gesnaked, um Abends entweder Couscous-Salat, Nudeln, selbstgemachtes Humus mit Gemüse und Reis oder doch noch ein Mördersandwich (weils „so nice“ ist) zu verzehren.

Beim anschließenden Zähneputzen stellt sich dann die Challenge : wie schaffe ich es, dass der permanente Wind mir meine Spucke nicht ans Bein wedelt? Wenn das geschafft ist und man glücklicherweise in der Nähe noch eine öffentliche Toilette hat (die es hier im Übrigen überall und kostenfrei gibt), hat man es schon ziemlich weit gebracht.

Besonders erfreulich, wenn man zu dieser Zeit schon auf einer hoffentlich kostenfreien Campsite steht und sich nicht noch ein Versteck am Rande des Feldes, hinter Büschen oder in einer Wohnsiedlung suchen muss, da Campermate und Co. in der entsprechenden Gegend nur völlig überteuerte Campingplätze anbieten. Viele Campsites basieren auf Ehrlichkeit und es gibt nur eine Vertrauenskasse. Der Besitzer kommt diese zumeist einmal täglich leeren und stattet seinen Gästen einen Besuch ab. Campgrounds generell sind eine super Gelegenheit, um neue Leute kennenzulernen oder auch mit Kiwis ins Gespräch zu kommen. Laut dem Motto „sharing is caring“, wird der Wein geteilt, zusammen gesessen und Geschichten ausgetauscht. Empfehlungen werden ausgesprochen und noch mehr Nadeln mit Reisezielen werden bei maps.me gesetzt.

Für Eric geht’s Ende Februar weiter Richtung Bali und ich werde gemeinsam mit Linda mit dem Mitsubishi Chariot durch Neuseeland ziehen und nach Arbeit suchen.

Ich habe wieder eine Bildergallerie erstellt mit den schönsten Plätzen und Eindrücken, die wir in den letzten Wochen gesammelt haben. Die Vielfältigkeit Neuseelands lässt auch auf der Nordinsel nicht zu wünschen übrig. In diesem Sinne bis zum nächsten Mal.

Eure Gina

Roadtrip 1.0

Seit dreieinhalb Wochen sind wir nun schon unterwegs und ich weiß ehrlich nicht, wie ich diese ganzen Eindrücke in einem Blogeintrag zusammenfassen soll. Es ist einfach zu viel und unsere Köpfe haben schon zu tun, die ganzen Bilder zu verarbeiten. Naja gut, fangen wir erst einmal mit der Route an. Ca. 3000 km haben wir bereits hinter uns gelegt:

Als erstes haben wir unser Hauslamm Roasty auf eine Lavendelfarm mit Streichelzoo gebracht. Dort ist sie sicher und wird nicht gegessen. Da wir keinen Anhänger für das Auto hatten, saß die Kleine auf meinem Schoss und musste permanent vor Aufregung aufstoßen, sehr zum Leid unserer Nasen. Bevor wir Omarama endgültig verlassen hatten, habe ich mir noch die s.g. Claycliffs angesehen. Je mehr man sich den zerklüfteten, nahezu senkrecht aufragenden Felswänden nähert, desto spektakulärer erscheinen sie. Die unzähligen Pfeiler, Felsnadeln, Kämme und Schluchten entstanden vor rund 2 Millionen Jahren und erinnern heute an eine riesige Sandburg. Die mächtigen Klippen bestehen aus abertausenden Schichten von Schlick und Geröll, die von fließenden Gletschern aufgetürmt wurden.

Doch kommen wir nun zu unsere eigentlichen Roadtrip. So wirklich geplant hatten wir nicht, was wir uns genau ansehen wollten, wir hatten nur eine ungefähre Route. Doch dank den Apps CamperMate und maps.me war das auch garkein Problem. Auf maps.me hatten wir uns immer wieder Empfehlungen und Orte, die uns interessieren markiert (bzw. auch die, wo wir schon waren) und CamperMate bietet die Möglichkeit alle Aktivitäten bzw. Sehenswürdigkeiten an jedem beliebigen Ort nachzuschlagen. Ebenso sieht man alle Campingplätze (sortiert nach Preisklassen und Self- bzw. non-selfcontained), Duschmöglichkeiten, Waschsalons, Einkaufsmöglichkeiten, Wasserstellen, öffentliche Toiletten, Tankstellen, WiFi-Möglchkeiten (sehr wichtig trotz neuseeländischer Simkarte) und vieles mehr. Diese App sichert also sozusagen unser Überleben ;). Wir versuchen weitestgehend kostenlos zu übernachten, was durch die unzähligen free Campsites auch nicht schwer ist, ansonsten versteckt man sich halt mal irgendwo ;). Zum duschen kommen wir aller zwei bis drei Tage, entweder auf einer Pay Campsite, im Schwimmbad oder in öffentlichen Duschen. Gewaschen wird im Waschsalon oder per Hand. Kulinarisch versuchen wir uns so energiereich wie möglich zu versorgen, essen viel Dosenfisch, Couscoussalat, Früchte, etc. Eben alles, was sich auch mal ein paar Tage ungekühlt hält. Zwei portable Herdplatten geben uns die Möglichkeit zu kochen und um den Abwasch gering zu halten, wird meistens direkt aus dem Topf gegessen. Falls bei unserem Equipment etwas fehlen sollte, suchen wir in einem der vielen OP Shop nach dem entsprechenden Utensil oder auch Klamotten. OP Shops bzw. Secondhand-Läden sind sehr populär in Neuseeland und meistens auch sehr günstig, ganz im Gegenteil zu deutschen Vintagestores. Auch der kleinste Ort hat einen OP Shop und es ist mehr oder weniger selbstverständlich, dass man seine gebrauchten Sachen dort hinschafft. Ein riesen Lob an diesen nachhaltigen Lebensstil. Allerdings wird Mülltrennung hier eher klein geschrieben. Grade auf dem Land verbrennen die Meisten ihren Müll selber.

Zurück zu unserer Reise. Mit einer Bevölkerungsdichte von grade mal 17,46 Einwohner pro km² (im Vergleich Deutschland 230 Einwohner pro km²) könnte man vermuten, dass man nicht so häufig neue Leute kennenlernt. Doch die offene Art der Kiwis und deren fantastischer Humor macht es einem sehr leicht. Um Kiwis kennenzulernen geht man am besten ins nächste Pub, in welchen es auch fast immer Live Music gibt. Da wir Backpacker sind und meistens auf Campsites übernachten, lernen wir aber hauptsächlich andere Backpacker kennen, die mit einer 50:50 Chance entweder aus Deutschland oder aus Frankreich kommen. Es ist wirklich unglaublich wie viele Deutsche hier sind. Mallorca 2.0 könnte man regelrecht sagen. Naja ich will mich nicht beschweren, wir sind alle Reisende, man kann sich über Vieles austauschen und Tipps einsammeln.

Um euch zu zeigen, was wir in den fast vier Wochen alles so gesehen haben, habe ich eine Bildergalerie erstellt, mit Beschreibungen zu jedem Bild. Klickt einfach auf das erste Bild, blättert mal durch und lasst euch von der Vielfältigkeit Neuseelands überwältigen. Damit ihr eine Vorstellung davon bekommt, wie abwechslungsreich unsere Tage sind, habe ich im Anschluss der Galerie mein Notiz-Tagebuch beigefügt ;).

Für uns geht es jetzt weiter nach Auckland, denn meine Freundin Linda ist endlich angekommen und ab sofort geht es zu dritt weiter. Wir freuen uns schon riesig in den kommenden Wochen die Nordinsel zu erkunden. Bis dahin haltet die Ohren steif und erfriert mir nicht in der kalten Heimat.

Eure Gina