Java und ein kleiner Ausflug nach Singapur

Java – das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum Indonesiens.

Und wie immer erst eine kleine Einführung bevor ich mit den Reisegeschichten anfange: Mit rund 139.000 km² ist die Insel, direkt links neben Bali, vergleichbar mit der Größe Englands. 56,7% der Bevölkerung Indonesiens leben auf Java, insgesamt 145 Millionen Menschen, das sind mehr als auf jeder anderen Insel dieser Welt. Das liegt vor allem an der Landwirtschaft geprägten Bevölkerung, die den nährstoffreichen Boden in diesen Regionen zu schätzen weiß. Aber auch durch die Entwicklung des Tourismus konnte Java, wie auch Bali einen großen Bevölkerungszuwachs verzeichnen. Mehr als 90% der Javaner gehören dem Islam an, denn im 15. Jahrhundert kamen muslimische Händler nach Indonesien und haben weite Teile des Landes konvertiert. Gleichzeitig mit der Durchsetzung der Kolonialherrschaft der Niederlande breitete sich auch der Islam auf Java aus. Popularität gewann er vor allem, weil er von vielen Einheimischen als Gegengewicht zur Kultur der Europäer verstanden wurde (auf der anderen Seite unternahmen die Niederländer kaum christliche Missionierungsversuche). Soviel erst einmal ganz allgemein zu Java.

Dieses Mal ging es für uns mit dem Zug quer über die Insel, denn Java besitzt ein sehr gut ausgebautes Liniennetz und die Tickets sind unfassbar günstig (z.B. 8 Stunden Zugfahrt ab 4€). Mal abgesehen davon sieht man so etwas von der Landschaft, kann entspannen oder effizient die Zeit nutzen zum Schreiben. Insgesamt 3 mal saßen wir 8-10 Stunden im Zug und sind von Banyuwangi ganz im Osten nach Malang, von dort weiter nach Yogyakarta und zum Schluss ganz in den Westen nach Jakarta.

In der Nacht auf den 13. November (ja ich weiß, das ist schon ewig her) sind wir mit unseren indonesischen Freunden Adit, Iqbal und Agni von Bali nach Java gefahren, um beim Sonnenaufgang auf dem Mount Ijen zu stehen (die Fährfahrt zwischen den Inseln dauert gerade mal 30 Minuten).

Weiter ging es mit dem Zug Richtung Westen in die Studentenstadt Malang. Diese Stadt hat uns ganz besonders gut gefallen. Sie ist nicht so verwestlicht wie Bali, wenn man aber ein hippes Café sucht, findet man auch eins, es gibt keine Touristen, viele junge Menschen, es ist immer etwas los und die Stadt ist authentisch asiatisch.

Weiter ging es nach Yogyakarta, das Kulturzentrum Javas. Jeder schwärmte von Yoyakarta, doch uns hatte es eindeutig besser in Malang gefallen. Die zwei berühmten Tempel Prambanan und Borobodur haben wir uns nicht angesehen, zum einen wegen des schlechten Wetters und zum anderen, weil der Eintritt unverschämt teuer ist. Trotzdem sind wir viel durch die Stadt geschlendert oder mit dem Roller durch die umliegende Gegend gedüst.

Bei der Einreise nach Indonesien hatten wir $35 extra gezahlt, um das Touristenvisum nach 30 Tagen zu verlängern. Dafür muss man 3 mal zur Immigration rennen und glaubt mir Behördengänge in Indonesien sind mit Sicherheit nicht weniger nervenaufreibend als in Deutschland. Außerdem muss man dort auch nochmal extra zahlen und in vorgegebenen Tagesrhythmus bei der Immigration auftauchen. Mühselig und in jedem Falle entspannter einfach einmal auszufliegen und wieder rein (nur so als Tipp, falls ihr mal vorhabt länger als 30 Tage nach Indonesien zu fliegen). Nach den 60 Tagen mussten wir also kurz raus aus dem Land und wieder einfliegen, denn wir hatten noch lange nicht genug von Indonesien. Es ging nach Singapur, einfach, weil es am günstigsten und am nächsten war. Wir flogen also am 28. November abends in den Stadtstaat und kamen gegen 1 Uhr nachts an. Wir entschieden uns die paar wenigen Stunden, die von der Nacht übrig blieben am Flughafen zu verbringen. Hinter einem Spielland hatten wir uns, von Kopf bis Fuß unter unseren Decken versteckt, schlafen gelegt, als uns einige Stunden später die Flughafenpolizei weckte und ganz verblüfft war, dass unter den Decken zwei junge Frauen steckten und keine Obdachlosen. Nach kurzer Passkontrolle und ein paar umgarnenden Worten ließen uns die Männer weiterschlafen.

Einen ganzen Tag hatten wir, um die Stadt zu erkunden, bevor zeitig am nächsten morgen der Flieger zurück nach Jakarta gehen sollte. Schon am Flughafen wurde deutlich, dass hier vieles so ganz anders ist als in Indonesien. Allem voran…die Menschen sind echt unfreundlich! Keiner sagt Guten Tag, niemand lächelt zurück, alles muss schnell schnell gehen und auf kleine Späßchen wird sowieso nicht eingegangen. Naja gut, wahrscheinlich ist der Unterschied zu Deutschland garnicht so groß und ich bin einfach nur verwöhnt von der Freundlichkeit der Menschen in Neuseeland, Fidschi, den Philippinen und Indonesien. Menschen, die auf Inseln leben sind irgendwie immer freundlicher, zumindest habe ich diese Erfahrung gemacht. Naja zurück zu Singapur…

Im Anschluss ging es noch feiern, denn Ladys haben Mittwochs freien Eintritt in jeden Club der Stadt. Drei Stunden konnten wir noch am Flughafen schlafen, bevor es wieder nach Jakarta ging. Es war halt nur ein ganz kurzer Ausflug in ein anderes Land (für mich im übrigen Nummer 26). Singapur ist wirklich eine beeindruckende Stadt, aber, wie vielleicht deutlich wurde, nicht ganz so mein Ding. Dieses super moderne, futuristische und geschäftige ist mir irgendwie zu unauthentisch, vor allem, wenn man in Asien ist. Es war eine nette Erfrischung, aber wir haben uns echt gefreut wieder zurück nach Indonesien zu kommen mit seinen dreckigen Straßen, Chaos, aber die liebenswürdigsten Menschen, die man sich vorstellen kann.

Das war Java. Natürlich gibt es noch viel mehr auf der Insel zu entdecken. Das nächste Mal würde ich sicherlich Mount Semeru und Mount Raung besteigen und nach den Nashörnern im Ujung Kulon Nationalpark suchen, welcher bis dahin hoffentlich für die Öffentlichkeit wieder zugänglich ist. Aber im Großen und Ganzen haben wir die Highlights gesehen und ich würde jedem empfehlen gerade Eastjava zu bereisen, das lässt sich auch gut mit einem Bali-Urlaub kombinieren. Klar der Muezzin-Ruf früh morgens 4:30 Uhr ist gewöhnungsbedürftig, ebenso wie der Müll überall, aber ansonsten ist Java eine wunderschöne und einfach zu bereisende Insel. Kaum Touristen, freundliche Menschen, leckeres Essen und ein friedliches Zusammenleben. Wir kommen gerne wieder 🙂

Als nächstes wollten wir eigentlich nach Kalimantan/Borneo, doch die Insel ist riesig, es ist schwer von A nach B zu kommen und alles ist teurer. Wir haben uns entschieden diese Insel zu skippen und fliegen direkt nach Sulawesi. Von dort aus soll es weiter nach Flores, Lombok und wieder zurück nach Bali gehen. Darüber werde ich aber im nächsten Eintrag berichten.

Bis dahin, haltet die Ohren steif,

eure Gina.

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