Als Backpacker muss man schon mal ins Klo greifen

Hallo ihr Lieben,

vier Wochen sind seit dem letzten Eintrag vergangen und es gibt einiges zu berichten. Omarama und Umgebung sind mir wirklich ans Herz gewachsen und es fällt fast ein bisschen schwer, diesen Ort zu verlassen und weiterzuziehen. Eric und ich haben aufgehört zu arbeiten und es geht weiter Richtung Ostküste bzw. Dunedin. Wie bereits erwähnt habe ich in den vergangenen Wochen bei einer Familie als s.g. Housekeeper gearbeitet (Housekeeper hört sich ja ganz schön an, aber ums mal auf den Punkt zu bringen…ich war ne Putze ;)). Erstaunlicherweise war der Job garnicht mal so schlecht und ich bin, glaube ich, zu einer Art Putzfreek mutiert. Klar es ist nicht die beste Arbeit, aber als Backpacker und für so einen kurzen Zeitraum muss man schon mal ins Klo greifen ;). Da ich dort nur ein-/zweimal die Woche gebraucht wurde, habe ich die Jobanzeige eines Motels in Omarama wahrgenommen und dort den gleichen Job übernommen. Das Housekeeper Team des Sierra Motels besteht aus 7 Leuten, von denen immer ungefähr 4 Personen von 9-12/13Uhr die Zimmer auf Vordermann bringen.  Die Mitarbeiter könnten nicht unterschiedlicher sein (von 17 – 73 Jahren alles dabei), doch gerade das macht es interessant und wir haben viele amüsante Gespräche. Am Bettenmachen habe ich den meisten Gefallen gefunden, obwohl es meiner Meinung nach völlig übertrieben ist auf die Matratze eine Heizdecke, Matratzenschoner, Bettlacken, Betttuch, Bettdecke und noch eine Tagesdecke zu tun, um alles dann unter die Matratze zu stopfen, damit sich der Gast anschließend wie in einer Teigtasche noch nicht mal mehr zur Seite drehen kann und man eh alles wieder rauszerren muss. Naja mir solls egal sein.

Ich freue mich über die $16,25/h ~ 11€/h ($15,25/h sind Mindestlohn) + 8% Holidaypay – ungefähr 12% Steuer, die ich aber, sobald ich Neuseeland verlasse, theoretisch gesehen wiederbekommen sollte. Derzeit entspricht 1€ = 1,47 Neuseeländische Dollar. Die Preise hier haben es in sich und damit ihr mal eine Vorstellung bekommt, habe ich eine kleine Tabelle zusammengestellt (da ich ein Backpacker bin und sparen muss, beziehen sich die Preise immer auf das Produkt, was am günstigsten ist…hauseigene Marke, blabla):

 

Preis in NZD Preis in Euro
1 Liter Sprudelwasser 1,65 1,12
Bier (im Supermarkt!!!!) Ab 3,20 2,17
Bier (im Pub) Ab 9 6,10
Billigste Flasche Wein Ab 7 4,74
Kaffee im Café Ab 4 2,70
Packung brotähnliches Etwas Ab 4 2,70
1 Liter Benzin 1,90 1,26

Gerade Luxusprodukte, wie Alkohol,Tabak (30g ab $42 aufwärts – Gott sei Dank bin ich Nichtraucher) sind hier außerordentlich teuer. Ich muss meine Kröten also gut zusammen halten. Zu unserem Glück haben die Eltern der Farmerin eine s.g. Beeffarm und unserer Tiefkühler ist gefüllt mit Fleisch (das ist hier nämlich besonders teuer). Apropos Farm…Eric arbeitet auf einer s.g. Dairy Farm, d.h. eine Kuhfarm nur zur Gewinnung von Milch (auf dieser Farm leben wir auch). Die Kühe werden nicht geschlachtet und sind außerdem sehr schlank. Die 1500 Rinder werden zweimal täglich gemolken und somit verlassen jeden Tag 37.000 Liter Milch die Farm, welche für $30.000 verkauft werden. Wenn die Kühe nicht grade auf den 400 Hektar Weideland rummümpeln, fahren sie eine Runde mit in der modernen, kreisförmigen Karussell-Melkanlage bzw. stehen an. Eine Kuh nach der anderen nimmt Platz in dem sich kontinuierlich, langsam drehenden Karussell (im Trog am Kopfende befindet sich Getreide und Molasse, auf die sich die Kuh schon freut), 4 Saugvorrichtungen werden angebracht und spätestens wenn eine Runde rum ist, ist das Euter alle und die Kuh steigt von alleine wieder aus. Eric übernimmt verschiedene Jobs auf der Farm und kümmert sich nur gelegentlich um das s.g. Milking, aber Roy (unser israelischer Mitbewohner) macht das jeden Tag und hat des öfteren mal einen Scheißtag, wenn die Kuh erstmal loskackt wenn sie „angeschlossen“ wird (und bekanntermaßen ist Kuhkacke ja so gut wie immer flüssig). Naja man riecht also, wenn Roy das Haus betritt nach der Arbeit.

Auf der Farm arbeiten insgesamt 8 Leute und kümmern sich neben dem Melken um die 600 Kälber, das Einzäunen und die Bewässerung der Weiden, Reparaturarbeiten, Rasen mähen, Unkraut entfernen und und und. Roy’s Arbeitstag fängt um 4 Uhr an und endet 18 Uhr, mit grade mal 4 Stunden Pause. Die Jungs sind also platt nach der Arbeit und man versucht die freien Tage gut zu nutzen. So sind Roy und ich zusammen mit zwei israelischen Freunden von ihm zum Mount Cook gefahren und haben eine herrliche Wandertour entlang des Tasman Glaciers gemacht, um in der Ball Hut (Hütte) zu übernachten. Der Wanderweg führte über Gerölllawinen und war mit ein bisschen Kletterarbeit verbunden. Alles sehr spannend, aber auch nicht ganz ungefährlich. Als ich am nächsten Tag die Strecke alleine wieder zurück bin (da ich ab Mittag wieder arbeiten musste) war Obacht geboten keine Lawinen loszutreten.

Nach der Arbeit habe ich mich mit dem Auto auf einer self-contained Campsite am Lake Tekapo versteckt und dort übernachtet. Self-contained heißt übersetzt nichts anderes als eigenständig und bedeutet, dass ein Fahrzeug eine Wasserzufuhr, Toilette, etc. besitzen muss, um wild zu campen (wenn man als nicht self-contained erwischt wird gibt’s deftige Strafen von $200-$500). Am nächsten Tag ging es weiter nach Geraldine, wo ich drei Tage für die Eltern der Familie (bei welche ich als Housekeeper arbeite) geputzt habe. Mit dem älteren Päarchen habe ich mich so gut verstanden, dass sie mich direkt adoptiert haben und ich das neue Enkelkind bin. Da ich seit vielen Jahren keine Großeltern mehr habe, war dieses Oma Opa Erlebnis wirklich herzerwärmend. Wieder zurück in Omarama ging es weiter mit Arbeiten und diversen Ausflügen. Die Gegend hat trotz mangelnder Vegetation viel zu bieten (die wenigen Bäume, die es gibt sind meistens gepflanzt). Die teils noch schneebedeckten Berge und die Weitläufigkeit vom s.g. Mackenzie-Becken, mit seinen Gletscherseen und Lupinen-umringten Flussbecken fasziniert mich jeden Tag aufs Neue. Nun geht es Richtung Osten, um dann über den Süden entlang der Westküste Richtung Nordinsel zu fahren. Es wird also viel zu berichten geben!

Das wars erstmal an dieser Stelle. Wenn ihr noch mehr von meiner Reise sehen wollt folgt mir doch einfach bei Instagram (@gina_susan). Dort lade ich fast täglich Bilder und Videos hoch!

Ansonsten Ohren steif halten,

eure Gina.

 

Ein Gedanke zu “Als Backpacker muss man schon mal ins Klo greifen

  1. Ginii, wieder ein wunderbarer Bericht! Wir sind in Gedanken bei dir und wünschen euch gutes Gelingen und viele schöne Erlebnisse auf eurer „Südtour“ – sei lieb ganz umärmelt von uns allen.

    P.S. Viele Kollegen haben gestern auf der Weihnachtsfeier nach dir gefragt, viele Grüße!

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